
19.11.2016
Danila Tkachenko "Restricted Areas"
Artist Talk and Brunch during the ViennaArtWeek: November 19, 2016 at 11am
Exhibition goes from November 5, 2016 to January 31, 2017
The exhibition is part of EYES ON - Month of Photography Vienna
BROTFABRIK GalleryWalk on November 16, 2016, 6-9 pm
at AnzenbergerGallery
Absberggasse 27, 1100 Vienna
Opening hours: We - Sa 1 to 6 pm or by appointment
Danila Tkachenko (b. 1989 in Moscow) studied documentary photography at the Rodchenko School of Photography and Multimedia in Moscow. Besides the European Publishers Award for Photography he also won the Lensculture Exposure Award (2015) and the World Press Photo Award (2013). Lately, his works were exhibited in the following institutions: Finnish Museum of Photography, Helsinki (FI), Indira Gandhi National Centre for the Arts, New Delhi (IN), Center for Contemporary Arts, Santa Fe (US), and Gallery of Classic Photography, Moscow (RU).

19.11.2016
Viele Normen machen Wohnen teuer
text FRANZISKA ZOIDL
Sparen bis zur letzten Steckdose
Viele Normen und hohe Grundstückspreise machen Wohnen teuer. Ein Vorarlberger Bauträger hat ein Wohnkonzept für eine junge Zielgruppe erarbeitet, bei dem die Bewohner die Glühbirnen selbst auswechseln.
Wollen Sie einen Lichtschalter um jeweils 36 Euro rechts und links vom Bett – oder reicht einer in der Mitte? Und brauchen Sie als Bewohner des zweiten Stockwerks einen Lift, wenn sich dieser mit 40 Euro pro Monat auf die Betriebskosten niederschlägt?
Das wollte Wilfried Hefel, Geschäftsführer des Vorarlberger Bauträgers Hefel Wohnbau, von 500 Menschen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren wissen. „Wir haben bis zur letzten Steckdose alles abgefragt und mit Kosten hinterlegt“, erzählt er von dem Projekt, das gemeinsam mit einem unabhängigen Expertenteam durchgeführt wurde.
Der Hintergrund: Für junge Menschen wird es angesichts steigender Immobilienpreise immer schwieriger, Eigentum zu begründen. Hefels Ziel bei der Gründung von Riva Home im Jahr 2012 war, bei den Planungs- und Errichtungskosten 30 Prozent einzusparen: „Wenn zwei Drittel der Zielgruppe bei der Befragung gesagt haben ‚so möchten wir’s‘, dann haben wir das so gemacht.“
Zwei Ausnahmen: Eigentlich haben sich die Befragten gegen die Planung durch einen Architekten und für eine billigere Bauweise mit damit einhergehenden höheren Betriebskosten ausgesprochen. Am Ende wurden aber vom Vorarlberger Architekten Carlo Baumschlager von Baumschlager Hutter Partners Niedrigenergiehäuser geplant. „Wir wollten eine gescheite Architektur und energetisch State of the Art sein“, so Hefel.
Drei fix und fertige Wohnhaustypen wurden entwickelt. So werden Planungskosten gespart. Zudem wird mit den Wohnungen erst nach deren Fertigstellung in den Verkauf gegangen. „Das bedeutet, dass das Bauträgervertragsgesetz nicht gilt, das Kunden vor dem Konkurs des Bauträgers in der Bauzeit schützt“, erklärt Hefel. So werden Kosten – etwa für Bankgarantien und Sachverständige – gespart. Die Planungsphase kann der Kunde so nicht beeinflussen, was das Bauen laut Hefel wiederum günstiger macht.
„Überhaupt werden die meisten Einsparungen durch Weglassen erreicht“, sagt Hefel. Den eingangs erwähnten Lift gibt es nicht. Dafür gibt es einen Liftschacht, der temporär als Stauraum für die Bewohner genutzt werden kann. Auch auf eine Unterkellerung oder eine Tiefgarage sowie auf große Terrassen oder eine Fußbodenheizung wurde verzichtet.
Außerdem wurde eine App entwickelt, die dabei helfen soll, die Betriebskosten zu senken. Stellt ein Bewohner fest, dass die Glühbirne im Stiegenhaus ausgebrannt ist, dann benachrichtigt er Bewohner und Hausverwaltung mittels App. Wenn sich binnen 24 Stunden kein Bewohner bereiterklärt, die Glühbirne auszuwechseln, dann schickt die Hausverwaltung einen Kostenvoranschlag. „So wird den Kunden klar, dass eine solche Maßnahme viel Geld kostet. Unsere Erfahrung ist: Die Leute wechseln dann alles selbst“, so Hefel.

12.11.2016
Meister der Irritation
Hermann Czech ist ein weltbekannter Name. Zumindest in der Architekturwelt. Im breiten Publikum jedoch, meint er, kenne ihn fast niemand. Dem wollen wir zum 80. Geburtstag abhelfen.
Interview: Wojciech Czaja
Standard: Sie haben sich gewünscht, vor unserem Gespräch einen Blick auf meine Fragen zu werfen. Jetzt sind Sie unglücklich.
Czech: Auf viele dieser Fragen finde ich keinen Einstieg. Ich bin etwas ratlos.
Standard: Sie haben Geburtstag. Wünschen Sie sich eine Einstiegsfrage!
Czech: In einer Ihrer Fragen ist von der Irritation in meiner Arbeit die Rede. Darüber würde ich gerne sprechen.
Standard: Bitte!
Czech: Ich höre oft, dass manche Menschen von meiner Architektur irritiert sind. Das ist eine begründete Beobachtung. Das ist aber kein Selbstzweck. Die Irritation kommt ja nicht daher, dass ich darüber nachdenke, womit ich irritieren könnte. Sie ist vielmehr eine unausweichliche Nebenwirkung meines Entwurfsansatzes, meiner Verfolgung von verschiedenen Gedankengängen auf verschiedenen Ebenen.
Standard: Zum Beispiel?
Czech: Das können ganz pragmatische Überlegungen sein – sagen wir aufgrund des Gebrauchs oder der Kostenersparnis. Das können aber auch beabsichtigte Raumwirkungen oder Assoziationen sein. Manchmal sind das auch Zitate aus der Architekturgeschichte oder aus der trivialen Alltagswelt.
Standard: Als ich das erste Mal das von Ihnen geplante Kleine Café am Franziskanerplatz betreten habe, habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, aus welcher Epoche das Lokal stammen mag.
Czech: Das höre ich immer wieder.
Standard: Sie spielen gerne mit der Zeit. Sie zitieren, verfälschen und führen den Betrachter mit Ihren Räumen und Häusern an der Nase herum.
Czech: Die Zeit ist eine Dimension, die man in der Architektur anspielen kann. (...)
Standard: Der „Falter“ bezeichnet Sie als heimlichen Stararchitekten, den keiner kennt. Wie geht es Ihnen damit?
Czech: Da ist was dran. Der deutsche Kunstvermittler Kasper König hat kürzlich über den Begriff „Artists’ Artists“ geschrieben, also von Künstlern, die nur Künstlern bekannt sind. Und er meinte, ich sei ein „Architects’ Architect“. Architekten kennen mich, auch international, aber für Medien und Publikum ist der Czech unbekannt.
Standard: Architekten vergeben keine Aufträge.
Czech: Eben! Aber mit Architektur kann man eh nicht wirklich reich werden. Philip Johnson meinte einmal, als Architekt müsse man von vornherein reich sein oder eine reiche Frau haben.
Standard: Und?
Czech: Weder noch.
Standard: Wie hat sich der Job des Architekten verändert? Ist er leichter oder schwerer geworden?
Czech: Schwerer. Und vor allem lästiger. Manchmal sind Bauvorschriften und Normen unnötig lästig.
Standard: Sind es nicht die Zwänge, die ...
Czech: ... doch, doch, Zwänge sind inspirierend und können zu innovativen Lösungen führen. Aber wenn man nur mehr gerade Treppen und 80 Zentimeter breite WC-Türen bauen darf, dann hört sich die Architektur auf. Dann beginnt die räumliche Verarmung. (...)

11.11.2016
Schillerndes Puzzle aus Wasser und Reis
Im Südwesten Chinas hat das Volk der Hani eine der aussergewöhnlichsten Kulturlandschaften der Erde geschaffen.
Mit ihren Terrassen trotzen die Reisbauern den Bergen fruchtbares Land ab.
text KARIN STEINBACH TARNUTZER
(...) Während der Sui- und der Tang-Dynastie begannen die Hani – aus dem Norden Chinas eingewanderte Bauern – die Hänge der Ailao- Shan-Berge zu terrassieren, um Anbauflächen zu gewinnen. Über die Jahrhunderte wuchs das Puzzle aus Terrassen höher und höher. Je steiler der Hang, umso kleiner wurden sie angelegt; vom Tal, das auf 150 Metern über Meer liegt, reichen die nahezu 3000 Stufen bis auf 2900 Meter hinauf. Zentrale Bedeutung kommt dem Wasser zu, wie Lin Chang erläutert: Über ein komplexes System von Kanälen fliesst es aus den oberhalb gelegenen Wäldern auf die Reisfelder. Durch die Mauern aus gestampftem Lehm werden Bambusrohre geschlagen, die mit einem Pfropfen verschlossen werden können. Auf diese Weise regulieren die Hani den Zufluss. Im Winter bleiben die Terrassen mit Wasser gefüllt, damit die Lehmwände nicht austrocknen. Ende März pflügen die Männer mithilfe von Wasserbüffeln den Boden. (...)
120 Tage dauert die Wachstumsphase des «roten Reises», den die Hani anbauen, im Unterschied zum Klebreis eine härtere Sorte mit leicht rötlicher Haut. Im September schneiden die Frauen den reifen Reis und schlagen noch auf dem Feld die Körner aus den Pflanzen, die Männer füllen sie in Säcke und transportieren sie zum Schälen in die Dörfer. Das Reisstroh wird, für die Wasserbüffel, in Garben auf den Feldern getrocknet oder aber verbrannt und die Asche als Dünger ausgebracht. Der natürlichen Düngung dient auch die Tierhaltung, denn in den Terrassen gedeiht nicht nur Reis. Die Hani züchten in ihnen Aale und andere Fische sowie Enten. Am frühen Morgen kann man Frauen begegnen, die ihre Enten in Körben auf dem Rücken zu den Wasserflächen tragen. Zusätzlich werden auf den Reisfeldern Pflanzen aus der Bohnenfamilie angebaut, die Bakterien binden und Stickstoff erzeugen. Eine spezielle Wasserschneckenart vertilgt im Wasser auftretende Schädlinge.
Weltkulturerbe
Diese nachhaltige Anbaumethode, von einer Generation zur anderen weitergegeben, hat dafür gesorgt, dass die Erträge trotz der Monokultur stets konstant blieben. Sie bewog 2013 die Unesco dazu, die Hani-Reisterrassen zum Weltkulturerbe zu ernennen. Die örtlichen Tourismusmanager argumentieren lieber mit der räumlichen Ausdehnung der Terrassen, ihrer langen Entstehungszeit und der Anzahl der Menschen, die sie angelegt haben. Sie bezeichnen die Landschaft als «das weltweit grösste Werk der bildenden Kunst» (...)

09.11.2016
Europas Wettbewerbsvorteil war die Gewalt
Die Händler der indischen Stadt Surat, der größten Hafenstadt des Mogulreichs, waren den Europäern lange Zeit überlegen, sagt der Historiker Sanjay Subrahmanyam. Ihr Erfolg werde im heutigen Indien zu wenig beachtet.
INTERVIEW: Eric Frey
Standard: Surat, eine Millionenstadt im heutigen nordwestindischen Bundesstaat Gujarat, war vom 16. bis zum 18. Jahrhundert nach Ihrer Beschreibung eine weltoffene, tolerante und dynamische Handelsstadt. Das ist ein Bild, das man eher mit europäischen Handelsstädten assoziiert. Wie ähnlich war Surat etwa Amsterdam?
Subrahmanyam: Amsterdam gilt für diese Zeit als eine Art Messlatte. Dabei war die Offenheit dort eher beschränkt. Da waren nur Protestanten, einige Juden, kaum Katholiken und keine Muslime. Viele Städte im Indischen Ozean waren diverser und offener. In Surat konnte sich jeder niederlassen.
Standard: Hat diese Offenheit Surat auch wohlhabend gemacht?
Subrahmanyam: Steuern und Zölle waren niedrig. Das Mogulreich war vor allem am freien Handel mit Edelmetallen interessiert, die wurden gar nicht besteuert. Die Reichsten in Surat waren sicher so reich wie die Händler in Amsterdam. Es war eine ungleiche Gesellschaft, aber die Ungleichheit war nicht so groß wie heute.
Standard: Wie global war dieser Handel?
Subrahmanyam: Schiffe aus Surat segelten bis nach China und nach Ostafrika. Dass sie nicht nach Europa kamen, lag daran, dass die Europäer das nicht erlaubt haben. Sie verteidigten ihr Handelsmonopol rund um Afrika.
Standard: Und Kolonialreiche wollten die Moguln nicht errichten?
Subrahmanyam: Nein, das taten nur die Westeuropäer, das waren seltsame Menschen. Sonst hat niemand daran gedacht, in die Welt hinauszusegeln und und ferne Kolonie zu gründen. Erobert wurden nur angrenzende Gebiete.
Standard: Aber die chinesische Ming-Dynastie baute im 15. Jahrhundert riesige Flotten.
Subrahmanyam: Ja, aber sie haben ihre Schiffe nie für die Eroberung von Kolonien genutzt. Sie segelten bis nach Ostafrika, sie demonstrierten ihre Macht und forderten Tribut. Aber sie blieben nicht.
Standard: Aber auch muslimische Reiche wollten Macht und den Glauben überallhin tragen.
Subrahmanyam: Das war anders. Muslime eroberten Indien und ließen sich dann dort nieder. Die Europäer hatten das nie vor. Für sie blieb die Metropole immer anderswo, sie schickten nur temporäre Vertreter.
Standard: Wie erklärt sich dieser Unterschied?
Subrahmanyam: Die Europäer betonten den Unterschied zu den anderen viel mehr. Sie waren nicht bereit, Teil einer anderen Gesellschaften zu werden, zumindest nicht, wenn sie Macht hatten. Das war eine andere ganz Vorstellung eines Imperiums. Jeder kann Muslim werden, aber man konnte kein Europäer werden und kein Weißer, wenn man nicht weiß ist. (...)

06.11.2016
Manierismus und Krise
Der Verlust der Mitte
text PETER BÜRGER
Die moderne Gesellschaft befindet sich – wie einst die Epoche des Manierismus – in einer Krise, die die Vorstellung eines sich automatisch vollziehenden Fortschritts hat fragwürdig werden lassen.
Walter Benjamins Gedanke, dass es eine geheime Korrespondenz von Epochen gebe, ja dass es einer jeden aufgegeben sei, eine Deutung der ihr korrespondierenden vergangenen zu finden, zu der nur sie den Schlüssel besitze, dieser Gedanke mag spekulativ sein; aber er enthält eine Anweisung, wie man der Ödnis einer archivalischen Geschichtsschreibung entkommen kann, die den lebendigen Bezug zur eigenen Gegenwart verloren hat. Gerade angesichts der Krise des geschichtlichen Denkens, die wir gegenwärtig erleben, kommt dem Benjaminschen Gedanken eine nicht zu überschätzende Bedeutung zu. Kann er uns doch helfen, eine Vorstellung von Gegenwart zu überwinden, die in der Aneinanderreihung von Jetztpunkten aufgeht. (...)
Es besteht kein Grund, die immanente Krise des Konzepts des künstlerischen Fortschritts, auf der Gombrich insistiert, von der Krise des Renaissance-Humanismus zu trennen, in der Arnold Hauser die Ursache des Manierismus sieht; vielmehr dürfte gerade das Zusammentreffen beider zum Entstehen der neuen Malerei beigetragen haben.
Auch die moderne Gesellschaft befindet sich seit geraumer Zeit in einer tiefgreifenden Krise, die die Vorstellung eines sich gleichsam automatisch vollziehenden Fortschritts hat fragwürdig werden lassen. Spätestens seit den ersten alarmierenden Berichten des Club of Rome Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts über die weltweit abnehmenden Ressourcen sind die Grenzen eines Wirtschaftssystems deutlich geworden, das einen verschwenderischen Umgang mit nicht ersetzbaren Energiequellen betreibt. In beiden Epochen verschafft das Bewusstsein einer Krise der eigenen Welt, dem keine konkreten Handlungsperspektiven entsprechen, sich Ausdruck im Habitus der Menschen.
So kann man die Formen autistischen Verhaltens, die sich heute immer häufiger beobachten lassen, wo Menschen aufeinanderstossen, die geradezu aggressive Verleugnung der physischen Gegenwart des andern, in den Bildern der Manieristen wiederfinden. (...)

04.11.2016
Bauherrenpreis 2016 für Ingrid Leodolter Haus
Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung "Bauherrenpreis 2016" für unser Projekt Pflegewohnhaus Rudolfsheim/ Ingrid Leodolter Haus!
Ingrid-Leodolter-Haus, Pflegewohnhaus Rudolfsheim
Bauherr: GESIBA Gemeinnützige Siedlungs- u. Bau AG / KAV–Wiener Krankenanstaltenverbund
Architektur: wimmerundpartner architektur: wup ZT GmbH, Wien
Einrichtungsplanung: Lisa Zentner Architektur, Wien
Freiraumplanung: EGKK Landschaftsarchitektur, Wien
Am 4. November fand die Preisverleihung in der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz statt.
Aus insgesamt 100 Einreichungen wurden zuvor 27 Projekte für die Shortlist ausgewählt. Daraus ermittelte die Hauptjury bestehend aus Julia Bolles-Wilson (Münster), Falk Jaeger (Berlin) und Martin Kohlbauer (Wien) sechs Preisträger_innen des ZV-Bauherrenpreises 2016.
Der Preis wird jährlich seit 1967 vergeben und honoriert Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich als Bauherr_in, Auftraggeber_in oder Mentor_in in besonderer Weise für die Baukultur in Österreich verdient gemacht haben. Dabei steht die architektonische Gestaltung sowie der innovatorische Charakter im Vordergrund. Die Bauten sollen einen positiven Beitrag zur Verbesserung des Lebensumfeldes leisten. Es werden beispielhafte Projekte gesucht, bei denen die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherr_innen und Architekt_innen zu außergewöhnlichen Lösungen geführt hat. Ausgezeichnet werden herausragende Bauten, die in den vergangen drei Jahren entstanden sind.
Siehe auch
>> Top Five, Einrichtungsplanung Pflegewohnhaus und Kindergarten | 136-11

02.11.2016
Neuer Optimismus am Atlantik
Lissabon feiert die zeichenhafte MAAT-Kunsthalle der Londonerin Amanda Levete und entdeckt dabei seine Uferzonen wieder
Text: Roman Hollenstein
(...) Schon vor sechs Jahren konnte zwischen dem neuen Jachthafen und der Torre Belém das vom Architekturbüro Risco geplante, aufgrund seiner schwebenden Form und den filigran-weissen Schiebeläden wohl schönste zeitgenössische Hotel der Stadt eröffnet werden. Ihm folgte ein nicht weniger heiteres Zeichen: das 2010 vom indischen Meisterarchitekten Charles Correa realisierte, der biomedizinischen und neurologischen Forschung verpflichtete Champalimaud Centre for the Unknown, dessen bei Modefotografen beliebte, auf den Atlantik ausgerichtete Platzanlage entfernt an Louis Kahns Salk Institute im südkalifornischen La Jolla erinnert. (...)
Dieses Ausstellungshaus wurde nun zum Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia (MAAT) erweitert, in welchem Teile der auf moderne portugiesische Kunst spezialisierten EDP-Sammlung gezeigt werden. Gleichzeitig erweiterte die Londonerin Amanda Levete den aus dem Jahr 1908 stammenden, denkmalgeschützten Baukomplex um einen muschelartig aus den Fluten des Tejo ragenden Neubau, der zurzeit halb Lissabon in Atem hält. Zu Tausenden pilgern die Hauptstädter zum MAAT und nehmen das neue, Kunsthalle genannte Haus stolz in Besitz. Staunend spazieren sie über die Dachwölbung des sich wie ein Aussichtshügel aufbäumenden, mit weissen Kacheln verkleideten Gebäudes, das dem Tejo sein gigantisches Haifischmaul entgegenhält. Dessen Gebiss erweist sich als das Fensterband der noch nicht zugänglichen Cafeteria. Dieser Glaswand und dem schlauchartig ins Innere führenden Gang ist es zu verdanken, dass das organische Gebäude überhaupt als Architektur erkennbar ist. Das Organische fasziniert die Architektin, die einst zusammen mit ihrem 2009 verstorbenen Partner Jan Kaplicky das Kultbüro Future Systems leitete und mit Entwürfen von phallusförmigen Hochhäusern für Aufregung sorgte, bis heute. Das beweist die MAAT-Kunsthalle ebenso wie das mit ihr verwandte Erweiterungsprojekt des Londoner Victoria & Albert Museum, das ebenfalls 2011 von Amanda Levete geplant wurde. Doch der Bau am Tejo übertrifft bei weitem das Londoner Projekt mit seiner abenteuerlichen Auskragung, die auf einer Hightech-Stahlkonstruktion in der Art einer Berg-und-Tal-Bahn basiert. Diese Bauweise ermöglichte erst den stützenlosen Zentralraum, die «Galeria oval». (...)