restricted-areas-danilo-tkachenko01

19.11.2016

Danila Tkachenko "Restricted Areas"

Artist Talk and Brunch during the ViennaArtWeek: November 19, 2016 at 11am


Exhibition goes from November 5, 2016 to January 31, 2017
The exhibition is part of EYES ON - Month of Photography Vienna

BROTFABRIK GalleryWalk on November 16, 2016, 6-9 pm
 

at AnzenbergerGallery
Absberggasse 27, 1100 Vienna
Opening hours: We - Sa 1 to 6 pm or by appointment

 

Danila Tkachenko (b. 1989 in Moscow) studied documentary photography at the Rodchenko School of Photography and Multimedia in Moscow. Besides the European Publishers Award for Photography he also won the Lensculture Exposure Award (2015) and the World Press Photo Award (2013). Lately, his works were exhibited in the following institutions: Finnish Museum of Photography, Helsinki (FI), Indira Gandhi National Centre for the Arts, New Delhi (IN), Center for Contemporary Arts, Santa Fe (US), and Gallery of Classic Photography, Moscow (RU).

 

 

 

19.11.2016

Vie­le Nor­men ma­chen Woh­nen teu­er

text FRANZISKA ZOIDL

 

Spa­ren bis zur letz­ten Steck­do­se

Vie­le Nor­men und ho­he Grund­stück­sprei­se ma­chen Woh­nen teu­er. Ein Vor­arl­ber­ger Bau­trä­ger hat ein Wohn­kon­zept für ei­ne jun­ge Ziel­grup­pe er­ar­bei­tet, bei dem die Be­woh­ner die Glüh­bir­nen selbst aus­wech­seln.

 

Wol­len Sie ei­nen Licht­schal­ter um je­weils 36 Eu­ro rechts und links vom Bett – oder reicht ei­ner in der Mit­te? Und brau­chen Sie als Be­woh­ner des zwei­ten Stock­werks ei­nen Lift, wenn sich die­ser mit 40 Eu­ro pro Mo­nat auf die Be­triebs­kos­ten nie­der­schlägt?

Das woll­te Wil­fried He­fel, Ge­schäfts­füh­rer des Vor­arl­ber­ger Bau­trä­gers He­fel Wohn­bau, von 500 Men­schen im Al­ter zwi­schen 25 und 35 Jah­ren wis­sen. „Wir ha­ben bis zur letz­ten Steck­do­se al­les ab­ge­fragt und mit Kos­ten hin­ter­legt“, er­zählt er von dem Pro­jekt, das ge­mein­sam mit ei­nem un­ab­hän­gi­gen Ex­per­ten­te­am durch­ge­führt wur­de.

Der Hin­ter­grund: Für jun­ge Men­schen wird es an­ge­sichts stei­gen­der Im­mo­bi­lien­prei­se im­mer schwie­ri­ger, Ei­gen­tum zu be­grün­den. He­fels Ziel bei der Grün­dung von Ri­va Ho­me im Jahr 2012 war, bei den Pla­nungs- und Er­rich­tungs­kos­ten 30 Pro­zent ein­zu­spa­ren: „Wenn zwei Drit­tel der Ziel­grup­pe bei der Be­fra­gung ge­sagt ha­ben ‚so möch­ten wir’s‘, dann ha­ben wir das so ge­macht.“

Zwei Aus­nah­men: Ei­gent­lich ha­ben sich die Be­frag­ten ge­gen die Pla­nung durch ei­nen Ar­chi­tek­ten und für ei­ne bil­li­ge­re Bau­wei­se mit da­mit ein­her­ge­hen­den hö­he­ren Be­triebs­kos­ten aus­ge­spro­chen. Am En­de wur­den aber vom Vor­arl­ber­ger Ar­chi­tek­ten Car­lo Baum­schla­ger von Baum­schla­ger Hut­ter Part­ners Nie­dri­ge­ner­gie­häu­ser ge­plant. „Wir woll­ten ei­ne ge­schei­te Ar­chi­tek­tur und en­er­ge­tisch Sta­te of the Art sein“, so He­fel.

Drei fix und fer­ti­ge Wohn­haus­ty­pen wur­den ent­wi­ckelt. So wer­den Pla­nungs­kos­ten ge­spart. Zu­dem wird mit den Woh­nun­gen erst nach de­ren Fer­tigs­tel­lung in den Ver­kauf ge­gan­gen. „Das be­deu­tet, dass das Bau­trä­ger­ver­trags­ge­setz nicht gilt, das Kun­den vor dem Kon­kurs des Bau­trä­gers in der Bau­zeit schützt“, er­klärt He­fel. So wer­den Kos­ten – et­wa für Bank­ga­ran­tien und Sach­ver­stän­di­ge – ge­spart. Die Pla­nungs­pha­se kann der Kun­de so nicht be­ein­flus­sen, was das Bau­en laut He­fel wie­der­um güns­ti­ger macht.

„Über­haupt wer­den die meis­ten Ein­spa­run­gen durch Weg­las­sen er­reicht“, sagt He­fel. Den ein­gangs er­wähn­ten Lift gibt es nicht. Da­für gibt es ei­nen Lift­schacht, der tem­po­rär als Stau­raum für die Be­woh­ner ge­nutzt wer­den kann. Auch auf ei­ne Un­ter­kel­le­rung oder ei­ne Tief­ga­ra­ge so­wie auf gro­ße Ter­ras­sen oder ei­ne Fuß­bo­den­hei­zung wur­de ver­zich­tet.

Au­ßer­dem wur­de ei­ne App ent­wi­ckelt, die da­bei hel­fen soll, die Be­triebs­kos­ten zu sen­ken. Stellt ein Be­woh­ner fest, dass die Glüh­bir­ne im Stie­gen­haus aus­ge­brannt ist, dann be­nach­rich­tigt er Be­woh­ner und Haus­ver­wal­tung mit­tels App. Wenn sich bin­nen 24 Stun­den kein Be­woh­ner be­rei­ter­klärt, die Glüh­bir­ne aus­zu­wech­seln, dann schickt die Haus­ver­wal­tung ei­nen Kos­ten­vor­an­schlag. „So wird den Kun­den klar, dass ei­ne sol­che Maß­nah­me viel Geld kos­tet. Un­se­re Er­fah­rung ist: Die Leu­te wech­seln dann al­les selbst“, so He­fel.

 

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard“

 

 

 

czech-c-andre kiskan-transformer-metallbau

12.11.2016

Meis­ter der Ir­ri­ta­ti­on

Her­mann Czech ist ein welt­be­kann­ter Na­me. Zu­min­dest in der Ar­chi­tek­tur­welt. Im brei­ten Pu­bli­kum je­doch, meint er, ken­ne ihn fast nie­mand. Dem wol­len wir zum 80. Ge­burts­tag ab­hel­fen.

 

In­ter­view: Woj­ciech Cza­ja

Stan­dard: Sie ha­ben sich ge­wünscht, vor un­se­rem Ge­spräch ei­nen Blick auf mei­ne Fra­gen zu wer­fen. Jetzt sind Sie un­glü­cklich.

Czech: Auf vie­le die­ser Fra­gen fin­de ich kei­nen Ein­stieg. Ich bin et­was rat­los.

Stan­dard: Sie ha­ben Ge­burts­tag. Wün­schen Sie sich ei­ne Ein­stiegs­fra­ge!

Czech: In ei­ner Ih­rer Fra­gen ist von der Ir­ri­ta­ti­on in mei­ner Ar­beit die Re­de. Da­rü­ber wür­de ich ger­ne spre­chen.

Stan­dard: Bit­te!

Czech: Ich hö­re oft, dass man­che Men­schen von mei­ner Ar­chi­tek­tur ir­ri­tiert sind. Das ist ei­ne be­grün­de­te Be­ob­ach­tung. Das ist aber kein Selbst­zweck. Die Ir­ri­ta­ti­on kommt ja nicht da­her, dass ich da­rü­ber nach­den­ke, wo­mit ich ir­ri­tie­ren könn­te. Sie ist viel­mehr ei­ne un­aus­weich­li­che Ne­ben­wir­kung mei­nes Ent­wurfs­an­sat­zes, mei­ner Ver­fol­gung von ver­schie­de­nen Ge­dan­ken­gän­gen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen.

Stan­dard: Zum Bei­spiel?

Czech: Das kön­nen ganz prag­ma­ti­sche Über­le­gun­gen sein – sa­gen wir auf­grund des Ge­brauchs oder der Kos­ten­er­spar­nis. Das kön­nen aber auch be­ab­sich­tig­te Raum­wir­kun­gen oder As­so­zia­tio­nen sein. Manch­mal sind das auch Zi­ta­te aus der Ar­chi­tek­tur­ge­schich­te oder aus der tri­via­len All­tags­welt.

Stan­dard: Als ich das er­ste Mal das von Ih­nen ge­plan­te Klei­ne Ca­fé am Fran­zis­ka­ner­platz be­tre­ten ha­be, ha­be ich mir den Kopf da­rü­ber zer­bro­chen, aus wel­cher Epo­che das Lo­kal stam­men mag.

Czech: Das hö­re ich im­mer wie­der.

Stan­dard: Sie spie­len ger­ne mit der Zeit. Sie zi­tie­ren, ver­fäl­schen und füh­ren den Be­trach­ter mit Ih­ren Räu­men und Häus­ern an der Na­se he­rum.

Czech: Die Zeit ist ei­ne Di­men­si­on, die man in der Ar­chi­tek­tur an­spie­len kann. (...)

Stan­dard: Der „Fal­ter“ be­zeich­net Sie als heim­li­chen Sta­rar­chi­tek­ten, den kei­ner kennt. Wie geht es Ih­nen da­mit?

Czech: Da ist was dran. Der deut­sche Kunst­ver­mitt­ler Ka­sper Kö­nig hat kürz­lich über den Be­griff „Ar­tists’ Ar­tists“ ge­schrie­ben, al­so von Künst­lern, die nur Künst­lern be­kannt sind. Und er mein­te, ich sei ein „Ar­chi­tects’ Ar­chi­tect“. Ar­chi­tek­ten ken­nen mich, auch in­ter­na­tio­nal, aber für Me­dien und Pu­bli­kum ist der Czech un­be­kannt.

Stan­dard: Ar­chi­tek­ten ver­ge­ben kei­ne Auf­trä­ge.

Czech: Eben! Aber mit Ar­chi­tek­tur kann man eh nicht wirk­lich reich wer­den. Phi­lip John­son mein­te ein­mal, als Ar­chi­tekt müs­se man von vorn­her­ein reich sein oder ei­ne rei­che Frau ha­ben.

Stan­dard: Und?

Czech: We­der noch.

Stan­dard: Wie hat sich der Job des Ar­chi­tek­ten ver­än­dert? Ist er leich­ter oder schwe­rer ge­wor­den?

Czech: Schwe­rer. Und vor al­lem läs­ti­ger. Manch­mal sind Bau­vor­schrif­ten und Nor­men un­nö­tig läs­tig.

Stan­dard: Sind es nicht die Zwän­ge, die ...

Czech: ... doch, doch, Zwän­ge sind in­spi­rie­rend und kön­nen zu in­no­va­ti­ven Lö­sun­gen füh­ren. Aber wenn man nur mehr ge­ra­de Trep­pen und 80 Zen­ti­me­ter brei­te WC-Tü­ren bau­en darf, dann hört sich die Ar­chi­tek­tur auf. Dann be­ginnt die räum­li­che Ver­ar­mung. (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard“

 

 

 

honghe-reisterrassen-yunnan

11.11.2016

Schillerndes Puzzle aus Wasser und Reis

Im Südwesten Chinas hat das Volk der Hani eine der aussergewöhnlichsten Kulturlandschaften der Erde geschaffen.

Mit ihren Terrassen trotzen die Reisbauern den Bergen fruchtbares Land ab.

text  KARIN STEINBACH TARNUTZER

 

(...) Während der Sui- und der Tang-Dynastie begannen die Hani – aus dem Norden Chinas eingewanderte Bauern – die Hänge der Ailao- Shan-Berge zu terrassieren, um Anbauflächen zu gewinnen. Über die Jahrhunderte wuchs das Puzzle aus Terrassen höher und höher. Je steiler der Hang, umso kleiner wurden sie angelegt; vom Tal, das auf 150 Metern über Meer liegt, reichen die nahezu 3000 Stufen bis auf 2900 Meter hinauf. Zentrale Bedeutung kommt dem Wasser zu, wie Lin Chang erläutert: Über ein komplexes System von Kanälen fliesst es aus den oberhalb gelegenen Wäldern auf die Reisfelder. Durch die Mauern aus gestampftem Lehm werden Bambusrohre geschlagen, die mit einem Pfropfen verschlossen werden können. Auf diese Weise regulieren die Hani den Zufluss. Im Winter bleiben die Terrassen mit Wasser gefüllt, damit die Lehmwände nicht austrocknen. Ende März pflügen die Männer mithilfe von Wasserbüffeln den Boden. (...)

120 Tage dauert die Wachstumsphase des «roten Reises», den die Hani anbauen, im Unterschied zum Klebreis eine härtere Sorte mit leicht rötlicher Haut. Im September schneiden die Frauen den reifen Reis und schlagen noch auf dem Feld die Körner aus den Pflanzen, die Männer füllen sie in Säcke und transportieren sie zum Schälen in die Dörfer. Das Reisstroh wird, für die Wasserbüffel, in Garben auf den Feldern getrocknet oder aber verbrannt und die Asche als Dünger ausgebracht. Der natürlichen Düngung dient auch die Tierhaltung, denn in den Terrassen gedeiht nicht nur Reis. Die Hani züchten in ihnen Aale und andere Fische sowie Enten. Am frühen Morgen kann man Frauen begegnen, die ihre Enten in Körben auf dem Rücken zu den Wasserflächen tragen. Zusätzlich werden auf den Reisfeldern Pflanzen aus der Bohnenfamilie angebaut, die Bakterien binden und Stickstoff erzeugen. Eine spezielle Wasserschneckenart vertilgt im Wasser auftretende Schädlinge.

Weltkulturerbe

Diese nachhaltige Anbaumethode, von einer Generation zur anderen weitergegeben, hat dafür gesorgt, dass die Erträge trotz der Monokultur stets konstant blieben. Sie bewog 2013 die Unesco dazu, die Hani-Reisterrassen zum Weltkulturerbe zu ernennen. Die örtlichen Tourismusmanager argumentieren lieber mit der räumlichen Ausdehnung der Terrassen, ihrer langen Entstehungszeit und der Anzahl der Menschen, die sie angelegt haben. Sie bezeichnen die Landschaft als «das weltweit grösste Werk der bildenden Kunst» (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

map-surat-gujarat

09.11.2016

Eu­ro­pas Wett­be­werbs­vor­teil war die Ge­walt

Die Händ­ler der in­di­schen Stadt Su­rat, der größ­ten Ha­fen­stadt des Mo­gul­reichs, wa­ren den Eu­ro­pä­ern lan­ge Zeit über­le­gen, sagt der His­to­ri­ker San­jay Sub­rah­ma­ny­am. Ihr Er­folg wer­de im heu­ti­gen In­dien zu we­nig be­ach­tet.

IN­TER­VIEW: Eric Frey

 

Stan­dard: Su­rat, ei­ne Mil­lio­nens­tadt im heu­ti­gen nord­west­in­di­schen Bun­des­staat Gu­ja­rat, war vom 16. bis zum 18. Jahr­hun­dert nach Ih­rer Be­schrei­bung ei­ne welt­of­fe­ne, to­le­ran­te und dy­na­mi­sche Han­dels­stadt. Das ist ein Bild, das man eher mit eu­ro­päi­schen Han­dels­städ­ten as­so­ziiert. Wie ähn­lich war Su­rat et­wa Ams­ter­dam?

Sub­rah­ma­ny­am: Ams­ter­dam gilt für die­se Zeit als ei­ne Art Mess­lat­te. Da­bei war die Of­fen­heit dort eher be­schränkt. Da wa­ren nur Pro­test­an­ten, ei­ni­ge Ju­den, kaum Ka­tho­li­ken und kei­ne Mus­li­me. Vie­le Städ­te im In­di­schen Oze­an wa­ren di­ver­ser und of­fe­ner. In Su­rat konn­te sich je­der nie­der­las­sen.

Stan­dard: Hat die­se Of­fen­heit Su­rat auch wohl­ha­bend ge­macht?

Sub­rah­ma­ny­am: Steu­ern und Zöl­le wa­ren nie­drig. Das Mo­gul­reich war vor al­lem am frei­en Han­del mit Edel­me­tal­len in­te­res­siert, die wur­den gar nicht be­steu­ert. Die Reichs­ten in Su­rat wa­ren si­cher so reich wie die Händ­ler in Ams­ter­dam. Es war ei­ne un­glei­che Ge­sell­schaft, aber die Un­gleich­heit war nicht so groß wie heu­te.

Stan­dard: Wie glo­bal war die­ser Han­del?

Sub­rah­ma­ny­am: Schif­fe aus Su­rat se­gel­ten bis nach Chi­na und nach Ost­afri­ka. Dass sie nicht nach Eu­ro­pa ka­men, lag da­ran, dass die Eu­ro­pä­er das nicht er­laubt ha­ben. Sie ver­tei­dig­ten ihr Han­dels­mo­no­pol rund um Afri­ka.

Stan­dard: Und Ko­lo­ni­al­rei­che woll­ten die Mo­guln nicht er­rich­ten?

Sub­rah­ma­ny­am: Nein, das ta­ten nur die West­eu­ro­pä­er, das wa­ren selt­sa­me Men­schen. Sonst hat nie­mand da­ran ge­dacht, in die Welt hin­aus­zu­se­geln und und fer­ne Ko­lo­nie zu grün­den. Er­obert wur­den nur an­gren­zen­de Ge­bie­te.

Stan­dard: Aber die chi­ne­si­sche Ming-Dy­nas­tie bau­te im 15. Jahr­hun­dert rie­si­ge Flot­ten.

Sub­rah­ma­ny­am: Ja, aber sie ha­ben ih­re Schif­fe nie für die Er­obe­rung von Ko­lo­nien ge­nutzt. Sie se­gel­ten bis nach Ost­afri­ka, sie de­mon­strier­ten ih­re Macht und for­der­ten Tri­but. Aber sie blie­ben nicht.

Stan­dard: Aber auch mus­li­mi­sche Rei­che woll­ten Macht und den Glau­ben über­all­hin tra­gen.

Sub­rah­ma­ny­am: Das war an­ders. Mus­li­me er­ober­ten In­dien und lie­ßen sich dann dort nie­der. Die Eu­ro­pä­er hat­ten das nie vor. Für sie blieb die Me­trop­ole im­mer an­ders­wo, sie schick­ten nur tem­po­rä­re Ver­tre­ter.

Stan­dard: Wie er­klärt sich die­ser Un­ter­schied?

Sub­rah­ma­ny­am: Die Eu­ro­pä­er be­ton­ten den Un­ter­schied zu den an­de­ren viel mehr. Sie wa­ren nicht be­reit, Teil ei­ner an­de­ren Ge­sell­schaf­ten zu wer­den, zu­min­dest nicht, wenn sie Macht hat­ten. Das war ei­ne an­de­re ganz Vor­stel­lung ei­nes Im­pe­ri­ums. Je­der kann Mus­lim wer­den, aber man konn­te kein Eu­ro­pä­er wer­den und kein Wei­ßer, wenn man nicht weiß ist. (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard“

 

 

 

06.11.2016

Manierismus und Krise

Der Verlust der Mitte

text PETER BÜRGER

 

Die moderne Gesellschaft befindet sich – wie einst die Epoche des Manierismus – in einer Krise, die die Vorstellung eines sich automatisch vollziehenden Fortschritts hat fragwürdig werden lassen.

 

Walter Benjamins Gedanke, dass es eine geheime Korrespondenz von Epochen gebe, ja dass es einer jeden aufgegeben sei, eine Deutung der ihr korrespondierenden vergangenen zu finden, zu der nur sie den Schlüssel besitze, dieser Gedanke mag spekulativ sein; aber er enthält eine Anweisung, wie man der Ödnis einer archivalischen Geschichtsschreibung entkommen kann, die den lebendigen Bezug zur eigenen Gegenwart verloren hat. Gerade angesichts der Krise des geschichtlichen Denkens, die wir gegenwärtig erleben, kommt dem Benjaminschen Gedanken eine nicht zu überschätzende Bedeutung zu. Kann er uns doch helfen, eine Vorstellung von Gegenwart zu überwinden, die in der Aneinanderreihung von Jetztpunkten aufgeht. (...)

 

Es besteht kein Grund, die immanente Krise des Konzepts des künstlerischen Fortschritts, auf der Gombrich insistiert, von der Krise des Renaissance-Humanismus zu trennen, in der Arnold Hauser die Ursache des Manierismus sieht; vielmehr dürfte gerade das Zusammentreffen beider zum Entstehen der neuen Malerei beigetragen haben.

Auch die moderne Gesellschaft befindet sich seit geraumer Zeit in einer tiefgreifenden Krise, die die Vorstellung eines sich gleichsam automatisch vollziehenden Fortschritts hat fragwürdig werden lassen. Spätestens seit den ersten alarmierenden Berichten des Club of Rome Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts über die weltweit abnehmenden Ressourcen sind die Grenzen eines Wirtschaftssystems deutlich geworden, das einen verschwenderischen Umgang mit nicht ersetzbaren Energiequellen betreibt. In beiden Epochen verschafft das Bewusstsein einer Krise der eigenen Welt, dem keine konkreten Handlungsperspektiven entsprechen, sich Ausdruck im Habitus der Menschen.

So kann man die Formen autistischen Verhaltens, die sich heute immer häufiger beobachten lassen, wo Menschen aufeinanderstossen, die geradezu aggressive Verleugnung der physischen Gegenwart des andern, in den Bildern der Manieristen wiederfinden. (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

Preisverleihung-BHP16-Ingrid-Leodolter-Haus

04.11.2016

Bauherrenpreis 2016 für Ingrid Leodolter Haus

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung "Bauherrenpreis 2016" für unser Projekt Pflegewohnhaus Rudolfsheim/ Ingrid Leodolter Haus!

 

Ingrid-Leodolter-Haus, Pflegewohnhaus Rudolfsheim

Bauherr: GESIBA Gemeinnützige Siedlungs- u. Bau AG / KAV–Wiener Krankenanstaltenverbund

Architektur:  wimmerundpartner architektur:  wup ZT GmbH, Wien

Einrichtungsplanung: Lisa Zentner Architektur, Wien

Freiraumplanung: EGKK Landschaftsarchitektur, Wien

 

Am 4. November fand die Preisverleihung in der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz statt.

Aus insgesamt 100 Einreichungen wurden zuvor 27 Projekte für die Shortlist ausgewählt. Daraus ermittelte die Hauptjury bestehend aus Julia Bolles-Wilson (Münster), Falk Jaeger (Berlin) und Martin Kohlbauer (Wien) sechs Preisträger_innen des ZV-Bauherrenpreises 2016.

 

Der Preis wird jährlich seit 1967 vergeben und honoriert Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich als Bauherr_in, Auftraggeber_in oder Mentor_in in besonderer Weise für die Baukultur in Österreich verdient gemacht haben. Dabei steht die architektonische Gestaltung sowie der innovatorische Charakter im Vordergrund. Die Bauten sollen einen positiven Beitrag zur Verbesserung des Lebensumfeldes leisten. Es werden beispielhafte Projekte gesucht, bei denen die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherr_innen und Architekt_innen zu außergewöhnlichen Lösungen geführt hat. Ausgezeichnet werden herausragende Bauten, die in den vergangen drei Jahren entstanden sind.

 

Siehe auch

>> Top Five, Einrichtungsplanung Pflegewohnhaus und Kindergarten | 136-11

>> Aktuelles, Bauherrenpreis 2016 - Jurytext

 

 

 

02.11.2016

Neuer Optimismus am Atlantik

Lissabon feiert die zeichenhafte MAAT-Kunsthalle der Londonerin Amanda Levete und entdeckt dabei seine Uferzonen wieder

Text: Roman Hollenstein

 

(...) Schon vor sechs Jahren konnte zwischen dem neuen Jachthafen und der Torre Belém das vom Architekturbüro Risco geplante, aufgrund seiner schwebenden Form und den filigran-weissen Schiebeläden wohl schönste zeitgenössische Hotel der Stadt eröffnet werden. Ihm folgte ein nicht weniger heiteres Zeichen: das 2010 vom indischen Meisterarchitekten Charles Correa realisierte, der biomedizinischen und neurologischen Forschung verpflichtete Champalimaud Centre for the Unknown, dessen bei Modefotografen beliebte, auf den Atlantik ausgerichtete Platzanlage entfernt an Louis Kahns Salk Institute im südkalifornischen La Jolla erinnert. (...)

Dieses Ausstellungshaus wurde nun zum Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia (MAAT) erweitert, in welchem Teile der auf moderne portugiesische Kunst spezialisierten EDP-Sammlung gezeigt werden. Gleichzeitig erweiterte die Londonerin Amanda Levete den aus dem Jahr 1908 stammenden, denkmalgeschützten Baukomplex um einen muschelartig aus den Fluten des Tejo ragenden Neubau, der zurzeit halb Lissabon in Atem hält. Zu Tausenden pilgern die Hauptstädter zum MAAT und nehmen das neue, Kunsthalle genannte Haus stolz in Besitz. Staunend spazieren sie über die Dachwölbung des sich wie ein Aussichtshügel aufbäumenden, mit weissen Kacheln verkleideten Gebäudes, das dem Tejo sein gigantisches Haifischmaul entgegenhält. Dessen Gebiss erweist sich als das Fensterband der noch nicht zugänglichen Cafeteria. Dieser Glaswand und dem schlauchartig ins Innere führenden Gang ist es zu verdanken, dass das organische Gebäude überhaupt als Architektur erkennbar ist. Das Organische fasziniert die Architektin, die einst zusammen mit ihrem 2009 verstorbenen Partner Jan Kaplicky das Kultbüro Future Systems leitete und mit Entwürfen von phallusförmigen Hochhäusern für Aufregung sorgte, bis heute. Das beweist die MAAT-Kunsthalle ebenso wie das mit ihr verwandte Erweiterungsprojekt des Londoner Victoria & Albert Museum, das ebenfalls 2011 von Amanda Levete geplant wurde. Doch der Bau am Tejo übertrifft bei weitem das Londoner Projekt mit seiner abenteuerlichen Auskragung, die auf einer Hightech-Stahlkonstruktion in der Art einer Berg-und-Tal-Bahn basiert. Diese Bauweise ermöglichte erst den stützenlosen Zentralraum, die «Galeria oval». (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“