
15.02.2014
Epiphanie für jedermann
text HANNELORE SCHLAFFER foto WDR
Das Licht von hinten ist Licht von innen - warum uns Computerbildschirme süchtig machen.
Über die Computersucht ist schon viel nachgedacht worden - meist wird sie auf Inhalte wie Fun und Sex, Gewalt und Games zurückgeführt. Dass es das Licht von hinten ist, das uns derart fasziniert, ist ein neuer Gedanke. Er findet Halt in einer uralten ikonografischen Tradition.
Das iPhone, dies so praktische und handliche Gerät, aus dem sich Termine, Wetterlagen, Stadtpläne, Fahrbahnauskünfte abrufen lassen, ist zum ständigen Begleiter des modernen Menschen geworden. Informationen aber sind es am wenigsten, weshalb es so eifrig genutzt wird von Stadtbesuchern und Leuten auf dem Weg zur Arbeit, von Mädchen vor allem, denen es inzwischen auch die Mütter nachtun, und Knaben, die so beschäftigt aussehen wollen wie Manager. Kaum haben sich diese Leute niedergelassen in Bus, Bahn oder Café, schon tun sie den wohlbekannten, ihnen selbst kaum bewussten Griff in die Tasche. Auch auf Strassen sieht man Mädchen laufen, mit dem Blick auf das Bildchen gerichtet, an Ampelübergängen warten sie, ohne aufzusehen, sie überqueren die Fahrbahn, ohne um sich zu blicken. Traumwandler sind sie alle, sobald sie nach dem kleinen Ding, einem Handschmeichler, gegriffen haben. Wer dann noch sein Auge von ihm wendet, hat einen geistesabwesenden Blick.

07.02.2014
Good Morning Kapfenberg
Frühling bis Herbst 2014
Gestaltungsinterventionen im öffentlichen Raum Kapfenberg, Steiermark
Die Stadtgemeinde Kapfenberg startet eine Image-Kampagne zur Attraktivierung des öffentlichen Raums. Als Industrie- und Sportstadt möchte sie sich als lebenswerte Stadt an der Mürz positionieren. Verschiedene Gestalter setzen an neuralgischen Punkten Akzente:
Raimund SEIDL, Graz: Stadteinfahrt ("zwei Köpfe") und Fußgängerunterführung Europaplatz. Bei der Fußgängerunterführung werden 20m lange Acrylgemälde für Wand und Decke realisisert, für die die "größte Staffelei der Welt" in Graz aufgebaut wurde.
Büro Zwo, Kapfenberg: Unterführung ÖBB-Trasse
TDC und Lisa ZENTNER ARCHITEKTUR, Unterpremstätten/Wien: Stadteinfahrt S6
Im Archiv DOMUS findet sich eine schöne Anküpfung: Hans HOLLEIN realisisert Ende der 60ger Jahre seine Skulptur "Inflatable Monument Sculpture" im Park von Kapfenberg: vielleicht gelingt es, an diese Aufbruchsstimmung anzuknüpfen.
07.02.2014
Utopie und Realität
El Lissitzky – Ilya und Emilia Kabakov
In über 40 Originalarbeiten El Lissitzkys aus den Jahren 1919–1930 sowie beeindruckenden Rekonstruktionen seiner Modelle als räumliche Gesamtkunstwerke werden allgemein verständliche geometrische Formen als konstruktivistische und zugleich politische Visionen spürbar.
Dem gegenüber entwerfen die installativen und malerischen Arbeiten von Ilya Kabakov ein Bild von bodenständiger Realität, gepaart mit konzeptueller Metaphysik.

01.02.2014
Bauten von globaler Präsenz
text LILIAN PFAFF foto TIMOTHY HURSLEY
grosse Retrospektive im Skirball Cultural Center in Los Angeles gewidmet dem Architekten Moshe Safdie
Internationale Bekanntheit erlangte der Architekt Moshe Safdie schon früh mit der Wohnsiedlung Habitat 67 in Montreal. Seither hat er ein umfangreiches Werk verwirklicht, das derzeit in einer grossen Retrospektive im Skirball Cultural Center in Los Angeles gezeigt wird.
Die erste amerikanische Retrospektive des 1938 in Haifa geborenen Architekten Moshe Safdie, der 1953 mit seinen Eltern nach Kanada auswanderte, startete in der von ihm errichteten National Gallery of Canada in Ottawa und gastiert nun in einem weiteren Safdie-Bau, dem Skirball Cultural Center in Los Angeles. Die in vier Phasen errichtete Anlage für jüdische Kultur, deren erste Teile schon vor 28 Jahren entstanden, konnte soeben mit der Integration eines Lern- und Konferenzzentrums abgeschlossen werden. Das Skirball Cultural Center, mit dem sich Safdie in den USA etablierte, erweist sich als idealer Ausstellungsort. Kuratiert wurde die Retrospektive, die anhand von Zeichnungen, Modellen, Fotos und Filmen rund 30 Projekte aus Safdies 50-jährigem Schaffen auffächert, vom Architekturkenner Donald Albrecht. Die chronologisch angelegte Schau beginnt mit der legendären Wohnsiedlung Habitat 67 in Montreal, die den jungen Architekten ins internationale Rampenlicht katapultierte. Auf einem «Newsweek»-Cover wurde das Projekt als «The Shape of Things to come» bezeichnet. Die Dokumentationen zur Siedlung Habitat 67 und zu weiteren, zum Teil ungebauten Nachfolgeprojekten, welche die ersten beiden Ausstellungsräume füllen, veranschaulichen Safdies damalige architektonische Ideen. Insgesamt wurden 85 vorfabrizierte Betonboxen für die Expo 1967 so aufeinandergestapelt, dass die Wohneinheiten als individuelle Häuser funktionieren. Die von den Hügeldörfern Israels inspirierte Struktur steht für günstigen Wohnraum und gemeinschaftlich genutzten sozialen Raum, der auf das Wachsen der Städte mit Verdichtung und Komfort antwortet.
Bis 2. März im Skirball Cultural Center in Los Angeles, anschliessend vom 31. Mai bis 2. September im Crystal Bridges Museum of American Art in Bentonville Arkansas. Begleitpublikation: Global Citizen - The Architecture of Moshe Safdie, Scala Publishers