10.05.2017
Reformen in der Eurozone
text András SZIGETVARI
Wien/Brüssel – Die Ideen sprudeln nur so aus Emmanuel Macron heraus. Der frischgewählte französische Staatspräsident will die Eurozone kräftig umbauen. Er möchte einen Eurofinanzminister installieren und ein gemeinsames Budget aufstellen, das sich aus Steuereinnahmen aller 19 Euroländer speist. Zudem soll die wirtschaftliche Koordination verstärkt werden. Macron will auch in Berlin für mehr Investitionen zugunsten Europas werben.
Das Kernziel des Franzosen ist es, das Wachstum anzufachen und damit die Ungleichgewichte in Europa abzubauen. Um die Schieflage zu erkennen, reicht ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik.
Die Arbeitslosenquote ist in Deutschland, den Niederlanden und Österreich im Vergleich niedrig. Zugleich sind die Quoten in Europa nirgends so hoch wie im Süden, in Italien, Spanien, Griechenland und in Frankreich. Die wirtschaftliche Erholung hat überall eingesetzt. Aber in weiten Teilen Südeuropas und in Frankreich verläuft der Aufschwung so schleppend, dass sich an der sozialen Misere kaum etwas ändert.
Aber können die Reformideen Macrons die Probleme lösen? Der STANDARD hat eine Reihe von Ökonomen befragt. Einen Konsens gibt es nicht, aber ein Hindernis sehen fast alle: Deutschland.
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04.05.2017
Gericht in Albanien stoppt Staudammprojekt an Vjosa
Tirana/Wien – Das Staudammprojekt „Poçem“ wurde überraschend gestoppt. Die Naturschutzorganisation Riverwatch gab am Mittwoch bekannt, dass die Richter des albanischen Verwaltungsgerichtshofs in Tirana einer Klage der Projektgegner in erster Instanz recht gegeben hätten. Umweltministerium und Baufirma haben nun die Möglichkeit, zu berufen. Die Kläger hatten das Prüfverfahren für das Kraftwerksprojekt bemängelt. Die Vjosa gilt als der letzte unregulierte Wildfluss Europas außerhalb von Russland.
ÖkoStandard "Der Standard" 4.5.2017
01.05.2017
Verantwortlich wem oder was gegenüber?
text Christian FASCHINGEDER
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Wenn die Diskussion darüber auch nie abgeschlossen sein wird, so kann sie doch zuerst eröffnet werden: Welche Interessen vertreten Ziviltechniker? Ziviltechniker sind keine Gewerbetreibenden (ZTG § 4 Abs. 5), dagegen können sie öffentliche Urkunden im Rahmen ihrer Befugnis ausstellen. Es ist also nicht das wirtschaftliche Interesse, das im Kern der Profession steckt, sondern das besondere Verhältnis zwischen konkretem Auftrag und der Wahrung bestimmter Allgemeininteressen.
Es gilt demnach, nicht nur die Verantwortung einem bestimmten Auftraggeber gegenüber zu wahren: Die Befugnis zeugt von einem Vertrag mit der Gesellschaft. Unsere arbeitsteilige Gesellschaft profitiert von solchen Verein barungen, da sie jeweils bestimmten Gruppen einige ihrer schwierigeren ethischen Dilemmata anvertraut. Sie erkennt die Vorteile einer Kooperation, die aus einer Spezialisierung und aus der Delegierung der Befugnis an jene resultiert, die eine solche im Rahmen ihrer Expertise am besten ausüben können. Deren Legitimität ist trotzdem sehr umstritten, da die Gesellschaft im Gegenzug Privilegien verleiht; darunter das ausschließliche Recht, bestimm-
te Aufgaben auszuführen, sowie das Recht auf Selbstbestimmung, auf Autonomie. Architektur etwa ist nicht nur eine technische, sondern auch eine künstlerische Disziplin: Sie folgt darin Werten und Regeln, die sich von jenen einer Mehrheit unterscheiden können. Zeigt dies nun die Grenzen der architektonischen Freiheit auf oder jene von Mehrheitsentscheidungen? Es ist durchaus möglich, dass die öffentliche Meinung kurzfristigere Interessen verfolgt als eine Profession, deren Kernkompetenz in der Planung liegt: Ein Projekt ist immer auch eine Projektion, in die Zukunft, ins Ungewisse; wofür fundiert Spekulationen angestellt werden. Entsprechend müsste eine berufliche Ethik die Auswirkungen sozialer, wirtschaftlicher und politischer Systeme im Blick behalten, innerhalb derer die ethischen Fragen verhandelt werden.
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>> Weiterlesen in derPlan 41, die Zeitschrift der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Wien, NÖ und Burgenland, Mai 2017