15.02.2015
BATH ART GALLERY 01
o.T. © 2014 wolfgang KATHAN

07.02.2015
OSAMU NISHIDA japan WOHNEN IM ZWISCHENRAUM
Text ULF MEYER foto OSAMU NISHIDA
Zwischen Räumen leben
Der Wohnbau in Japan schafft Wohnqualität auf wenigen Quadratmetern. Ein Wohnzimmer kann in flexiblen Raumkonzepten auch zur öffentlich zugänglichen Zone für jedermann werden.
Wozu besitzen, wenn man auch teilen kann? Ein Haus in Yokohama, Japans drittgrößter Stadt, macht das zwischenmenschliche, urbane Miteinander exemplarisch vor. Architekt Osamu Nishida hat mit seinem Kanagawa Apartment House ein Konglomerat aus privaten Hausteilen geschaffen, die sich rund um eine öffentliche Hausmitte gruppieren. In diesem frei zugänglichen Atrium wird gekocht, gegessen und gewohnt. Quasi mitten auf der Straße.
Um den zentralen Zwischenraum, „chanoma“ genannt, auch bei kühlem Wetter nutzbar zu halten, hat der Architekt Osamu Nishida dicke, durchsichtige Plastiklamellen, wie man sie aus Kühlhäusern kennt, einfach in die Öffnungen gehängt. Schlanke, weiße Stahltreppen führen frei durch den Raum und erschließen die privaten Schlaf- und Rückzugsräume im Obergeschoß. Auf diese Weise ist es gelungen, auf einem nur 140 Quadratmeter großen Grundstück ein ebenso großes Haus hinzustellen, ohne jedoch dabei die winzige Parzelle voll zu bebauen. In jedem Raum des schlohweißen Gebäudes gibt es Tageslicht.
Das Kanagawa Apartment House ist typisch für die zeitgenössische japanische Wohnbauszene, die aus Nöten Tugenden macht.
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Das Talent für das Kleine, so Kuma, entspringe aus der Tradition der „cha-shitsu“, der kleinen japanischen Teehäuser, die im Garten oft als Ausblickspunkt und Ort der inneren Einkehr gebaut werden. Die bonsaihafte Miniaturisierung und der Rückgriff auf das bauliche Erbe bringen auch wieder Wärme und Wohnlichkeit zurück in die zeitgenössische Architektur.
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>> Weiterlesen auf der Website "der standard", Der Standard, Album 7.2.2015

07.02.2015
Emanzipation im Dorf
Text ALBERT KIRCHENGAST
Was heutiger Städtebau vom Gestern lernen kann
Knapper Wohnraum in Wien und historische Dörfer im Burgenland waren jüngst der Ausgangspunkt eines «Versuchslabors». Das Ergebnis sind Architekturentwürfe, die den Traum vom Leben auf dem Lande neu interpretieren, gegen Zersiedelung und für die Vernetzung eines alt-neuen Grossraums eintreten.
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Können nur wenige Neubauten einen Vergleich mit Wiens gründerzeitlicher Bausubstanz überhaupt bestehen, ist es doch ein anderer, pragmatischer Grund, der die Wohnungssuchenden aus der Stadt vertreibt: der konsequente Preisanstieg auf dem Wiener Wohnungsmarkt. Dies meint jedenfalls der Architekt András Pálffy, wenn er von einer wahren «Gegenreformation» spricht, bei der ein jährlicher Wohnungsbedarf von bis zu 15 000 Einheiten das Eigenheim auf dem Land – samt Pendeln in die Stadt – höchst attraktiv mache. Der Blick auf die täglich überquellenden Wiener Autobahnen kann das nur bestätigen. Kein Wunder, zahlt man doch im Umland nicht selten einen Vierzigstel für Grund und Boden im Vergleich mit der Stadt.
Während andere über das planerische Desaster im steuerlich attraktiven Speckgürtel der Bundeshauptstadt debattieren, sich den Begriff Metropolitanregion selbstverständlich anverwandeln und damit kein singuläres Phänomen beschreiben, hat Pálffy sein eigenes Szenario entwickelt.
Nüchtern abwägend, plädiert er im Gespräch für eine Stärkung historischer, dichter Dorfstrukturen.
Was Generationen von Architekten vergeblich versuchten, machte Pálffy im letzten Semester zum universitären Kurs an der TU Wien. Zum sechsten Mal hat der Professor für Gestaltungslehre und Entwerfen ein Joint Venture initiiert, das ausgewählte Hochschulen aus Deutschland, Italien, Japan, Schottland und dem Tessin unter einem kernigen Thema versammelt: «Village Textures». (…)
1961, drei Jahre vor Bernard Rudofskys «Architecture without Architects», veröffentlichte der für die österreichische Nachkriegsmoderne so wichtige Architekt Roland Rainer, Professor an der Akademie der bildenden Künste und kurzzeitiger Stadtplaner Wiens, das Buch «Anonymes Bauen Nordburgenland»; darin eingeschlossen die Kritik eines modernen Architekten an der architektonischen Moderne, den Blick auf die Kontinuität architektonischer Entwicklungen gerichtet. Allerdings führte sein prächtig ausgestatteter Bildband eine bereits schwindende ländliche Baukultur vor: (…)
Das trügerische Bild ist gleichwohl heute noch von Aktualität. Denn es zeigt keineswegs bäuerliche Siedlungen anonymer Planerschaft – die nostalgische Sehnsucht nach vergangenen Lebensweisen. Viele nordburgenländische Dörfer wurden nämlich zentral, sozusagen am Wiener Reissbrett, entwickelt. Als «Ingenieursiedlungen» wurden sie teilweise im 18. Jahrhundert zur Wiederbesiedlung des nach Osten offenen, in den «Türkenkriegen» immer wieder von osmanischen Reitern überrollten Gebiets angelegt. Sie demonstrieren städtebauliche Prinzipien, die noch heute gültig und wiederholbar sind.
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>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“, 07.02.2015

06.02.2015
Wien – zurück zu alter Grösse
Text MERET BAUMANN
In Wien wird an allen Ecken gebaut. Um das Bevölkerungswachstum der Metropole bewältigen zu können, werden gänzlich neue Wohngebiete errichtet, Schulen, Spitäler, Altersheime und Bahnhöfe erstellt, die Stadtbahn angelegt. In der zentralen Kärntnerstrasse drängen sich die Menschen vor den Schaufenstern, und in der Strassenbahn herrscht ein Stimmengewirr verschiedenster Sprachen. Um die Verbauung auch der Naherholungsgebiete zu verhindern, beschliesst der Gemeinderat, den Wienerwald westlich und südlich der Stadt unter Schutz zu stellen.
Eine solche Schilderung würde in weiten Teilen auf die heutige Zeit zutreffen, beschreibt aber die Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
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In den Jahren 2001 bis 2011 legte diese in Wien um knapp elf Prozent zu – in Europa wuchsen nur Madrid, Stockholm und Brüssel in derselben Periode stärker. Bewahrheiten sich die Prognosen der Statistiker, dürfte Österreichs Hauptstadt in diesem Ranking in den nächsten Jahren gar noch weiter vorstossen und mit München um den Spitzenplatz ringen. (…)
Allein in der laufenden Planungsperiode bis 2025 müssen laut Winkler 120 000 Wohnungen gebaut werden. Dabei profitiert Wien davon, dass es bis vor kurzem auch an zentraler Lage noch grossflächige Bahn- und Industrieanlagen aus der Zeit der Donaumonarchie gab, die nach dem Zerfall des Reichs nicht mehr gebraucht wurden. Am alten Nordbahnhof etwa wird derzeit ein Gelände von 85 Hektaren überbaut, etappenweise entstehen 10 000 Wohnungen und 20 000 Arbeitsplätze. Ebenfalls ein gänzlich neues Stadtquartier mit 5000 Wohnungen wird am Südbahnhof errichtet, der seit kurzem als Hauptbahnhof in Betrieb ist.
Kritik von Experten
Doch das Bauen auf der grünen Wiese stösst immer wieder auf Widerstand, unzählige Bürgerinitiativen wehren sich jeweils gegen die Projekte. Dazu kam zuletzt aber auch vermehrt Kritik von Experten, die der Stadt vorwerfen, Investoren gegenüber zu nachgiebig zu sein. So protestierten im Frühling namhafte Architekten in einem offenen Brief gegen die Neugestaltung des Areals des Wiener Eislaufvereins und die Errichtung eines Hochhauses mit Luxuswohnungen.
>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“, 06.02.2015, Seite 7
Wien erlebt, wie bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einen enormen Boom. Die Politik steht vor ähnlichen Herausforderungen wie damals.