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29.04.2015

EUR - Esposizione Universale Roma

text ROMAN HOLLENSTEIN foto ANDREA JEMOLO

 

Sie fand nie statt: die von Mussolini für das Jahr 1942 geplante Weltausstellung E'42 in Rom. Doch ihre Monumentalbauten bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg den Kern der zukunftsweisenden Neustadt EUR. Dieser widmet nun das Ara-Pacis-Museum in Rom eine sehenswerte Schau

 

Die durch Säulenhallen, Alleen, Gärten und einen künstlichen See belebte Expo-Stadt hätte den grandiosen Höhepunkt jener baukünstlerischen Repräsentation markieren sollen, an deren Bedeutung das faschistische Italien wie kein anderes totalitäres Land Europas glaubte. Deshalb konnte Mussolini auf das Engagement hochmotivierter Architekten nicht nur konservativer, sondern auch modern-rationalistischer Ausrichtung zählen. Wurden die städtebaulichen Interventionen in Bozen oder Brescia und die problematische Neugestaltung des Borgo oder der Kaiserforen in Rom mit herrisch oder martial anmutenden baulichen Akzenten durchsetzt, so dominierte in den Feriendörfern am Meer oder in den Neustädten der Pontinischen Sümpfe eine moderate Moderne, die selten nur durch ein brachial-klassizistisches Vokabular gestört wurde. Formal ähnlich ausgewogen plante man das E'42-Gelände, das nach der Weltausstellung ausgebaut werden sollte. Denn hier wünschte Mussolini sich ein neues Rom, das als «visione classica ma moderna, modernissima» die faschistische Ideologie in Stein verewigen und zugleich die Stadt zum Meer hin öffnen sollte. (...)

Bis heute spielt EUR in der römischen Selbstwahrnehmung eine wichtige Rolle, nicht nur wegen des Skandals um Fuksas' neuen Kongresspalast, sondern ebenso weil hier die Ewige Stadt mit den beiden jüngst errichteten, 120 Meter hohen Torri Eurosky und Europarco erneut zu glitzern sucht. Gleichwohl haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Mythen wie ein Schleier über die Planstadt gelegt. Diesen versucht nun eine grosse, materialreiche und von einem informativen Katalog begleitete Schau in Richard Meiers Ara-Pacis-Museum zu lüften, indem sie die EUR-Entwicklung von den faschistischen Visionen bis zum Bauboom der Wirtschaftswunderzeit minuziös nachzeichnet, ohne aber im neusten Baufilz zu stochern. (...)

 

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17.04.2015

Architektur der sieben Sinne, Juhani Pallasmaa

text URSULA SEIBOLD-BULTMANN foto HELENE BINET

 

Unlängst wurde der finnische Architekt Juhani Pallasmaa in Karlsruhe für sein theoretisches Werk mit dem Schelling-Architekturpreis ausgezeichnet. Von einem phänomenologischen Ansatz ausgehend, fordert der Preisträger eine zu allen Sinnen sprechende Baukunst.

Theorieversessen ist Juhani Pallasmaa als Architekturtheoretiker keineswegs. Für ihn soll die Architektur nicht intellektuellen Vorgaben folgen, sondern den ganzen Menschen in existenzieller Weise berühren und das menschliche Dasein mit ihren Metaphern unterbauen.

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In den 1960er Jahren der finnischen Sektion der Congrès Internationaux d'Architecture Moderne (CIAM) und dem amerikanischen Erfinder Buckminster Fuller verbunden, hing er damals dem Fortschrittsglauben der Moderne durchaus an. Aber dann erreichte ihn der Ruf auf eine Professur in Addis Abeba, und die Erfahrungen in Äthiopien erschütterten seinen Glauben an rationalistische und universalistische Utopien und an einen zwangsläufigen Nutzen neuer Technologien.

Seither macht sich Pallasmaa für eine Architektur stark, welche die Vorstellungskraft und die empathischen Fähigkeiten ihrer Nutzer nähren soll. Da die Architektur uns Orientierung im Raum biete sowie das Erleben von Zeit strukturiere und damit unser Verhältnis zu Welt, Leben und Tod wesentlich forme, komme ihr – so sein Standpunkt – ein moralischer Imperativ zu. Zugleich versteht er das Erkennen und Erleben von Schönheit und damit ästhetische Erfahrungen als Basis für ethische Werte; an dieser Stelle bezieht er sich auf den russisch-amerikanischen Dichter Joseph Brodsky.

 

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08.04.2015

KAMEL DAUD - Religion und Kultur

interview JAN MAROT autor KAMEL DAOUD

 

Mit Waf­fen kön­ne man ge­gen den ra­di­ka­len Is­la­mis­mus nichts aus­rich­ten, sagt der al­ge­ri­sche Au­tor Ka­mel Da­oud. Er selbst wird durch ei­ne Fat­wa be­droht. Sein letz­tes Buch wur­de für den Prix Gon­court no­mi­niert.

(...)

STAN­DARD: Sind Sie At­heist, Ag­nos­ti­ker oder gar gläu­big?

Da­oud: Ich bin gläu­big, aber nicht im Sin­ne von Ri­ten. Ich glau­be nicht an Re­li­gio­nen, für mich sind sie Dog­men und Ideo­lo­gien. Die Fra­ge, ob man glaubt oder nicht, ist sehr per­sön­lich. Ich für mich leh­ne die Re­li­gi­on ab. Denn lei­der hat uns Re­li­gi­on nicht den Frie­den ge­bracht, son­dern sehr viel Ge­walt, ei­ne enor­me ge­sell­schaft­li­che Spal­tung und vie­le, vie­le Lü­gen. All das leh­ne ich ab. In ei­nem mei­ner Bü­cher ha­be ich ge­schrie­ben: Zu Gott ge­he ich selbst und zu Fuß. Ich brau­che nie­man­den, der mir die Rei­se zu ihm or­ga­ni­siert.

STAN­DARD: Wel­che Er­in­ne­run­gen ha­ben Sie an das so­ge­nann­te Schwar­ze Jahr­zehnt in Al­ge­rien, den Bürg­er­krieg? Gibt es Pa­ral­le­len zur Ge­gen­wart und zum Krieg ge­gen den „Is­la­mi­schen Staat“?

Ant­wort: Ich glau­be, die Is­la­mis­ten und die Ji­ha­dis­ten kom­men aus dem­sel­ben Mi­lieu, und sie ha­ben die­sel­ben Zie­le, die sie mit den­sel­ben Me­tho­den ver­fol­gen. Für uns in Al­ge­rien ist das, was jetzt ak­tu­ell in der Welt pas­siert, ei­ne Er­in­ne­rung. Das ist uns be­reits pas­siert. In den 1990er-Jah­ren ha­ben wir den­sel­ben Hor­ror er­lebt. Es gab Leu­te, die Kin­der er­mor­det ha­ben. Es gab Leu­te, die Jour­na­lis­ten und Ka­ri­ka­tu­ris­ten ge­tö­tet ha­ben. Wir ha­ben die­sen Ter­ror in Al­ge­rien be­reits durch­lebt. Wir ha­ben die Angst er­lebt, und es ist nicht lan­ge her.

STAN­DARD: Gibt es ei­ne „Waf­fe“, mit der man dem Is­la­mi­schen Staat ent­ge­gen­tre­ten kann? Und was rich­ten die Spra­che, die Li­te­ra­tur aus?

Da­oud: Ich glau­be, es ist die Kul­tur ganz ge­ne­rell. Es gibt auch gar kei­nen an­de­ren Weg. Man wird nicht als Is­la­mist ge­bo­ren, man wird zum Is­la­mis­ten ge­macht. Eben weil man ein­zel­ne Bü­cher ge­le­sen hat, weil man Per­so­nen zu­ge­hört hat. Weil man be­stimm­te Din­ge ge­se­hen hat und selbst kei­ne an­de­re Lö­sung fin­det. Wis­sen Sie, in Al­ge­rien oder Ma­rok­ko kos­tet ei­ner mei­ner Ro­ma­ne 17 Eu­ro, was, ge­mes­sen an der Kauf­kraft, mehr als 150 Eu­ro für die Käu­fer be­deu­tet, ein Ver­mö­gen. Wäh­rend die Bü­cher der Is­la­mis­ten gra­tis ver­teilt wer­den. Da­bei darf man auch nicht ver­ges­sen, dass es eben Sau­di-Ara­bien ist, das vie­le die­ser Bü­cher fi­nan­ziert. Zu­dem gibt es aber­tau­sen­de hoch­re­li­giö­se jun­ge Mus­li­me, die, eben­so von Sau­di-Ara­bien fi­nan­ziert, in Nord­afri­ka und der ara­bi­schen Welt pre­di­gen. Sie sind sehr zahl­reich und ha­ben im­mer mehr Ein­fluss auf die Ju­gend, auf die Frau­en, die Ge­sell­schaft. Ich bin mir si­cher, dass man nicht mit Waf­fen ge­gen die­se Strö­mung ge­win­nen kann, son­dern ein­zig und al­lein mit Kul­tur. (...)

 

Ka­mel Da­oud (44), 1970 in Mos­ta­ga­nem ge­bo­ren, ist Ro­man­au­tor und gilt als ei­ner der bril­lan­tes­ten In­tel­lek­tu­el­len Al­ge­riens und des Maghr­eb. Im De­zem­ber 2014 wur­de ge­gen den Au­tor und Ko­lum­nis­ten der Ta­ges­zei­tung „Quo­ti­dien d’Oran“ ei­ne Fat­wa, ein is­la­mi­sches To­des­ur­teil, sei­tens ei­nes ra­di­ka­len Kle­ri­kers aus­ge­spro­chen – nicht ein­zig we­gen sei­nes für den dies­jäh­ri­gen Prix Gon­court no­mi­nier­ten Ro­mans „Meur­sault. Con­tre-en­quê­te“ (2014).

 

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07.04.2015

STRING

 

 

 

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06.04.2015

Ein-Dollar-Brille für Millionen

text CHRISTOPH EISENRING

 

Wenn die bunten Glasperlen im Sonnenlicht funkeln, freut sich Martin Aufmuth immer noch. Die Perlen zieren seine «Ein-Dollar-Brille», ein einfaches, aber sehr stabiles Drahtgestell, dessen Materialkosten bei einem Dollar liegen.(...)

Aufmuth pröbelte fünf Jahre, bis er eine Biegemaschine entwickelt hatte, mit der sich derart günstig Brillen herstellen lassen. Die Linsen aus Polykarbonat bezieht er von einem chinesischen Betrieb, dessen Besitzer er kennt. Dabei stellte Aufmuth harte Bedingungen an seine Erfindung: Die Brille muss lokal gefertigt werden können und zwar ohne Elektrizität. Sie soll zudem keine Teile enthalten, die leicht verloren gehen können wie kleine Schräubchen.

So ist ein Holzwürfel von 30 cm Seitenlänge entstanden, in dem alle Utensilien für die Produktion Platz finden.  (...) Aufmuth wirkt sanftmütig, ist aber ein hartnäckiger Kämpfer für seine Idee. Was treibt ihn an? Dass sechs Flugstunden entfernt Menschen an Krankheiten leiden oder gar sterben, die leicht kurierbar sind, beschäftigt ihn schon lange. Er hätte ja genauso gut dort geboren sein können. Und er ist überzeugt, dass ein Einzelner mit einem guten Projekt etwas bewirken kann. (...)

 

 

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>> Ein-Dollar-Brille

>>Martin Aufmuth

 

 

 

FRÜHLING_lobau_01_© 2015 lisa_ZENTNER

05.04.2015

FRÜHLING in der Lobau