24.03.2018

Ich wohne in einem Haus mit Jahresringen

Michael Muhr leitet das Kulturforum Südburgenland in Eberau. Wenn im Salon nicht gerade Gäste ein- und ausspazieren, nutzt er ihn als eigenes, öffentliches Wohnzimmer – und blättert in der Geschichte.

Protokoll: Wojciech Czaja

 

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Das Haus wurde 1904 errichtet, und zwar auf den Resten eines alten Bauernhauses. (...)

Anfang der Neunzigerjahre diente das Haus dann als Lager für die Grenzsoldaten des Bundesheers. Hier unten standen die Feldbetten der Grenzschutzkompanie. Oben im ersten Stock, in den kleinen, verwinkelten Räumen, wohnten die Offiziere.

Zuletzt stand das Haus ziemlich lange Zeit zum Verkauf. Kein Wunder! Wer kauft schon ein Haus am Rande des Landes mit 600 Quadratmetern Wohnfläche? Niemand. Außer ich halt. Ein Freund rief mich damals an und sagte: ,Du, Michael, pass auf, ich habe da ein verrücktes Haus, das niemand haben will. Ich denke, das wäre perfekt für dich.‘ Und ja, in gewisser Weise hatte er recht. Als ich den Raum das erste Mal betrat, das war 2008, war ich schockiert, denn der Zustand war desolatest – und doch fühlte ich mich von der allerersten Sekunde an irgendwie daheim. Das Haus mit seinem Charme und seinem großen Katalog an Geschichte passt einfach zu mir. Es ist ein Haus mit Jahresringen. (...)

Die Sanierung war ein Drama: Boden rausreißen, Heizung installieren, Toiletten einbauen, Putz zum Teil abschlagen, Mauern trockenlegen, neue Stromkreise einziehen, Böden einbauen, Sicherheitsvorkehrungen für Veranstaltungen treffen und so weiter. Heute kann ich sagen: Die Sanierung hat locker noch einmal so viel gekostet wie das Haus an sich. Da fließen die Tausender nur so in Strömen! Aber ich mag das Resultat, sehr sogar. Am liebsten habe ich den alten Ofen, der aus einer alten Wiener Villa stammt. Ich wärme mich gerne an diesem Ofen. Und wenn hier nicht gerade Veranstaltungen stattfinden und fremde Menschen ein- und ausgehen, dann nutze ich den Salon als mein eigenes öffentliches Wohnzimmer und sitze in diesem Fauteuil und lese stundenlang in historischen Büchern.(...)

 

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Studio101-alfred-adler-strasse12-LisaZentner

17.03.2018

Hinterm Hauptbahnhof zieht Leben ein

reportage: Marietta ADENBERGER

 

Das Sonnwendviertel wird gern damit beworben, dass es viele innovative Gemeinschaftseinrichtungen gibt. Fünf Jahre nach dem Einzug der ersten Bewohner zeigt sich: Manches funktioniert schon recht gut.

 

Rasant kreuzende Rollkoffer, gut besuchte Geschäfte - an einem Freitagnachmittag scheint der Hauptbahnhof zu brodeln. Kaum zu glauben, dass wenige hundert Meter weiter überraschende Stille herrscht, und das in einem von Wiens größten Neubauvierteln. Besucher und Bewohner des Sonnwendviertels tauchen in eine andere Welt ein, wenn sie die neu gebauten Hotels und die Hektik der Reisenden hinter sich gelassen.

Bei genauerem Hinsehen ist es aber gar nicht so ruhig. Auf dem Weg ins Viertel gibt es eine Abkürzung, die unter einem geförderten Wohnbau durchführt. Dort in der Passage hat sich Lisa Zentner mit ihrem Architekturbüro Studio 101 niedergelassen - gleich gegenüber einer Praxis eines Neurologen und neben einem italienischen Lokal. "Ich mag es, dass die Leute auf dem Weg zu den öffentlichen Verkehrsmitteln bei mir vorbei kommen und ich das Leben hier vom Büro aus mitbekomme." Durch die Glaswände ist umgekehrt auch die Architektin bei der Arbeit gut zu sehen. Sie bereut es nicht, ihr Büro hierher verlegt zu haben. Vor der Tür stehen ein Tisch, Sessel und bepflanzte Blumenkisten, die verraten, dass sie gerne draußen sitzt.

Die Passage ist ein gutes Beispiel für eine belebte Erdgeschoßzone, die für solche neuen Stadtquartiere wichtig ist. Dennoch ist es für Einzugswillige nicht einfach: "Es scheitert oft an Kleinigkeiten wie etwa fehlender Beschattung, die man aber auch nicht installieren darf", weiß Zentner aus eigener Erfahrung.

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08.03.2018

HAUS RIN spado_architects

spado architects

Klagenfurt - Wien

st. veiter strasse 146 | A - 9020 klagenfurt    |   alfred adler strasse 12/1/101 | A - 1100 wien

 

EINZIGARTIGE LAGE

... Der Ausblick ist atemberaubend. Man überblickt die südlichen Bergketten Kärntens, zu Füßen liegt der Ossiacher See und direkt gegenüber das Stift Ossiach.

Die Reaktion auf das Gelände ist ein dreigeschossiger Baukörper. Die einzelnen Ebenen reagieren mit unterschiedlichen Drehrichtungen auf das Gelände und schaffen durch ihre Positionierung spannende Raumabfolgen und geschützte Außenbereiche.

Der Sockel des Gebäudes wird als massiver, erdberührter Baukörper in das Gelände eingeschnitten. Um das Gebäude mit der Umgebung optimal zu verweben, wurde der Sockel parallel zu den Schichtenlinien und der die beiden Wohngeschoße beinhaltende Baukörper quer zu den Schichtenlinien positioniert. Durch diese Verdrehung entsteht im Bereich des Mittelgeschoßes eine hofartige, nach Süden und Westen hin offene Terrasse, die vor ungebetenen Blicken schützt, Winde abhält und einen geborgenen, privaten Außenraum mit herrlichem Panoramablick schafft.

Im Sockelgeschoss sind der Gästebereich, eine Wellnesszone und eine Bar samt Billardtisch untergebracht.
Das Erdgeschoß mit den Funktionen Wohnen, Kochen und Essen ist dreiseitig verglast. Die Ausblicksmöglichkeiten werden maximiert.
Die Raumaufteilung im Obergeschoss, welches die Schlafzimmer und Bäder beinhaltet,  folgt den Prinzipien des "offenen Wohnens". Die Bäder und Ankleiden werden ohne Gänge den Zimmern zugeteilt, es entstehen „fließende“ Räume.

 

>> spado architects ZT GmbH

 

>> video

 

 

 

indian-institute-of-management-DOSHI

07.03.2018

Pritzker-Preis für Architektur geht an Inder Balkrishna Doshi

Wojciech Czaja

Mit seinen Wohn-, Kultur- und Bildungsbauten will der 90-jährige Inder nicht zuletzt den Ärmsten in der Gesellschaft dienen

 

Chicago/Wien – Es war nur eine Frage der Zeit, bis der sogenannte "Nobelpreis der Architektur", nachdem er 2012 an den chinesischen Architekten Wang Shu vergeben wurde, endlich auch einmal an das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt gehen würde. Heuer ist es so weit: Der renommierte, mit 100.000 US-Dollar dotierte Pritzker-Preis 2018 geht an den indischen Architekten Balkrishna Vithaldas Doshi.

 

Doshi steht seit fast 70 Jahren im Beruf und arbeitete in den 1950er Jahren bereits mit Le Corbusier zusammen. Zahlreiche Fotos aus dieser Zeit – der Schweizer Meister mit Anzug, Hut und Rundbrille, an seiner Seite der noch junge Doshi – zeugen von der intensiven Kooperation. "Ich verdanke diese Auszeichnung nicht zuletzt Le Corbusier, der mich gelehrt hat, Identitäten zu hinterfragen und neue Ansätze für ein ganzheitliches, nachhaltiges Wohnen und Leben zu erarbeiten", so der Architekt und Stadtplaner, der heute in Ahmedabad lebt.

Doshi ist bekannt für seine an die Moderne angelehnten, oft brutalistischen, in Ziegel und Sichtbeton errichteten öffentlichen Bauten wie Konzerthallen, Universitätsgebäude und Administrationsbauten. Zu seinen wichtigsten Werken zählen das Institut für Indologie (1962, siehe Foto), die Tagore Memorial Hall (1966), die CEPT University (1966), an der er fast 50 Jahre lang weitergebaut hat, die Premabhai Hall (1976), das in grauem Stein errichtete Indian Institute of Management in Bangalore (1977), sein eigenes, 1980 errichtetes Sangath-Studio sowie die unterirdische Kunstgalerie Amdavad Ni Gufa (1994).

 

Low-Cost-Housing Gleichzeitig aber, als würden zwei Seelen in seiner Brust schlagen, setzt sich der 90-Jährige, ewig jung Gebliebene schon seit Anbeginn für die Ärmsten in der Gesellschaft ein und entwickelt einfache Konzepte für Low-Cost-Housing – darunter etwa eine Wohnsiedlung für Textilarbeiter in Ahmedabad (1960), eine soziale Wohnhausanlage für die Life Insurance Corporation (1973) sowie die wie ein fröhlicher Punschkrapfen gestrichene Aranya-Siedlung in Indore (1989). "In seinen über 100 realisierten Projekten vereint Doshi die Tradition der indischen Architektur mit lokaler Arbeit, mit Vorfertigung und mit einem Bewusstsein für Geschichte und Kultur", heißt es im Jury-Statement. "Meine Arbeit ist eine Art Verlängerung meiner Lebensphilosophie, meines eigenen Körpers, meiner insgeheimen Träume", sagt Doshi, der von 2005 bis 2007 selbst schon Pritzker-Juror war und den Preis nun vor allem dazu nutzen möchte, die indische Regierung zum Nachdenken anzuregen. "Die Regierung, die Behörden, die Städte und die Entscheidungsträger werden sich nun damit auseinandersetzen müssen, dass es auch so etwas wie gute Architektur gibt." Und die, meint der Architekt, der sich selbst 1954 den Eid abgerungen hatte, seine Arbeit nicht nur, aber auch der niedrigsten Einkommensklasse zu widmen, sei essenziell wichtig: "Architektur verwandelt Hütten zu Häusern, Gebäude zu Gesellschaften, und Städte zu Magneten voller Möglichkeiten." Der Pritzker-Preis, der bereits seit 1979 jährlich vergeben wird, wird am 16. Mai im Aga Khan Museum in Toronto übergeben. (Wojciech Czaja, 7.3.2018) - derstandard.at/2000075660776/Pritzker-Preis-fuer-Architektur-geht-an-Inder-Balkrishna-Doshi