
28.03.2017
Augen auf!
text PHILIPP MEIER
Claude Monet malt die Halluzinationen auf seiner eigenen Netzhaut: Der Meister ist in der Fondation Beyeler neu zu entdecken
Warum eigentlich hängen wir immer noch Bilder an unsere Wände? Wäre das nicht längst passé? Bilder, um das nackte Gemäuer zu schmücken, damit die Leere uns nicht von der Wand herab anstarrt? Vieles davon ist oft Dekoration, die gut zum Sofa passen soll. Deshalb wohl machen ernsthafte Künstler bisweilen einen Bogen um Pinsel und Leinwand, sie machen stattdessen Installationen oder gar Computerkunst. Solch sperrige und virtuelle Dinge haben keinen Platz im Wohnzimmer. (...)
Monet schlug eine entscheidende Bresche für das, was in der Kunst noch kommen sollte. Die moderne Malerei fand ihre Grundlage bei ihm, der zur Vaterfigur für Rothko, Pollock, Sam Francis, ja wohl auch Cy Twombly wurde, wie Ausstellungen nach der Jahrtausendwende in Riehen und in München aufzeigten.
Was aber malte Claude Monet denn eigentlich, wenn er die Landschaft, das Meer, die Felsen, Strände, Kathedralen, Alleen, Mohnfelder, Gärten, Teiche, Brücken – und die berühmten Seerosen malte? Monet malte all dies, und malte es auch nicht. Er malte nicht einmal Abbilder von all dem, wenn man genau hinschaut. Um selber genau hinschauen zu können, schaute Monet oft am Motiv vorbei, als wollte er eine Wahrheit desselben in der Unschärfe finden, in dessen Schattenlöchern entdecken. Um nicht einfach nur Kopist der Wirklichkeit zu sein, nahm er als Sujet bei jeder Gelegenheit bereits immer schon Abbilder in den Blick. (...)

04.03.2017
Der Wandaufbau bestimmt den Geruch
text MARTIN PUSCHÖGL
Im Forschungspark eines Baustoffherstellers werden seit knapp zwei Jahren verschiedene Bauweisen miteinander verglichen. Dabei wird klar: Nicht nur auf die wesentlichen Dinge, auch auf Nebensächlichkeiten kommt es an.
Ein Häuschen gleicht dem anderen: Die Firma Baumit hat 2015 mit den Messungen in den neun Forschungsobjekten begonnen, kürzlich wurde eine erste Bilanz gezogen.
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Geruch Was die beteiligten Forscher – neben der FH Burgenland noch das IBO (Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie) und die Med-Uni Wien –, aber auch Lorenz echt erstaunt hat: Trotz des bereits erwähnten dreimal täglichen Luftaustauschs über einen langen Zeitraum bleibt ein anfänglicher bauweisentypischer Geruch oft sehr lange im Haus. Die Gipskartonhäuser beurteilten Besucher noch nach 17 Monaten als olfaktorisch „auffällig“, und auch im Holzmassivhaus riecht es nach wie vor stark nach Holz. In den Beton- und Ziegelhäusern wurde der Geruch schon nach wenigen Monaten als „unauffällig“ bewertet.
_ Schadstoffe Die Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (engl. Abkürzung VOC, Volatile Organic Compounds) erwies sich in allen Häusern mit Ausnahme des Holzmassivbaus nach zwei Jahren als unbedenklich. Allerdings war die Anfangsbelastung auch bei den beiden 25er-Ziegel-Häusern recht hoch. Als Grund dafür wurde später nicht die Wandkonstruktion, sondern ein bestimmter Abdichtungskleber ausgemacht.
Beim Holzhaus war die Belastung auch nach 17 Monaten noch sehr hoch. Grund dafür sind laut Lorenz die holzeigenen Terpene, die aber auch für den typischen, oft auch gewünschten Holzgeruch sorgen.
Der Umweltanalytiker Bernhard Damberger vom IBO, der im Auftrag von Baumit die Luftschadstoffmessungen durchgeführt hat, erklärt dazu im Gespräch mit dem Standard : Ja, die Werte seien stark erhöht gewesen; zurückzuführen sei das aber einerseits auf die hier verwendete Holzart (Kiefer), andererseits auf den geringen Rauminhalt der Häuser aufgrund der knapp bemessenen Kubaturen. „Dadurch wirkten sich die Harzausdünstungen natürlich umso stärker auf die Raumluft aus“, sagt Damberger. „Und mit Fichte oder Tanne hätte es ganz andere Ergebnisse gegeben.“ Generell sei die VOC-Belastung in Holzhäusern in den allermeisten Fällen unbedenklich.
Kleber als Schadstoffquelle
Auch Damberger weist auf die Probleme mit dem Abdichtungskleber hin. Dadurch seien die Ergebnisse mancher Häuser leicht verfälscht worden. Für den Experten resultiert daraus wiederum eine sehr wichtige Erkenntnis: „Wer besonders umweltbewusst bauen will, sollte neben den großen Entscheidungen unbedingt auch sehr auf die eher nebensächlichen Dinge achten.“ Ein Kleber, über den man sich nicht so viele Gedanken macht, und der unter Umständen auch ohne Wissen eines Bauherren von Handwerkern sorglos verwendet wird, kann sich auf die Luftqualität verheerend auswirken und damit fast noch entscheidender sein als die gewählte Bauweise.
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Das Projekt Viva-Forschungspark war von Baumit für zunächst drei Jahre angelegt und kostete den Konzern bisher rund drei Millionen Euro. Im Frühjahr werden direkt angrenzend an die bisherigen Forschungshäuser aber auch noch zwei „Gründerzeithäuser“, gebaut mit Backsteinziegeln wie vor hundert Jahren (siehe Foto), in Betrieb genommen. Eines davon wird lediglich verputzt, das zweite bekommt eine Dämmung samt Außenputz. „Hier werden wir der Frage auf den Grund gehen, ob eine nachträgliche Wärmedämmung beim Gründerzeithaus sinnvoll ist und wie sie sich auf die Substanz auswirkt“, so Schmid.
Auch in den neun schon bisher verwendeten Forschungshäusern werden noch weitere Tests stattfinden. Lorenz berichtet von geplanten Luftionenmessungen. Mit welcher Bauweise kann Feinstaub am besten aus der Luft gefiltert werden? Mit dieser Thematik will man sich demnächst in Wopfing eingehend beschäftigen.
Fotos: Putschögl, Baumit Bild oben: Zwei „Gründerzeithäuser“, gebaut mit Wänden wie vor 100 Jahren, werden in dem Forschungspark demnächst in Betrieb genommen. Auf dem unteren Bild ist die versetzte Bauweise der Häuser zu sehen, damit sie sich nicht gegenseitig beschatten.

03.03.2017
Bauzeit und Miete rekordverdächtig gering
text JUTTA BERGER
Mit „Wohnen 500“ schafft die gemeinnützige Vogewosi, was in Vorarlberg lange unmöglich schien: leistbares Wohnen für 500 Euro pro Monat in guter Architektur und mit wenig Umweltbelastung.
Dornbirn – Aus der Vorgabe des Landes, rasch und günstig Wohnraum für Konventionsflüchtlinge zu schaffen, hat die Vogewosi ein inklusives Pilotprojekt für leistbares Wohnen gemacht. Die ersten Beispiele für „Wohnen 500“ sind zwei Wohnanlagen in Mäder (Bezirk Feldkirch).
Die beiden dreigeschoßigen Mehrfamilienhäuser mit je zehn Wohneinheiten stehen an der Ortsgrenze zu Altach. „Ideal gelegen für Fußballfans, zum Stadion sind es nur ein paar Meter zu Fuß“, freut sich einer der jungen Bewohner. In der neuen Anlage leben seit Dezember des Vorjahres sechs Flüchtlingsfamilien aus Syrien und Afghanistan, 13 Familien aus Mäder und Umgebung, darunter neun alleinerziehende Mütter und zwei Wohngemeinschaften.
Das vom Dornbirner Architekturbüro Johannes Kaufmann und der Bregenzerwälder Firma Kaufmann Bausysteme entwickelte Modulsystem habe die Premiere bravourös bestanden, freut sich Vogewosi-Geschäftsführer Hans- Peter Lorenz: „Die Rekordbauzeit von nur drei Monaten wurde pünktlich eingehalten.“ „Wohnen 5002 steht für Drei-Zimmer-Wohnungen, die 65,2 Quadratmeter groß sind und inklusive Nebenkosten monatlich nur 500 Euro Miete kosten. Die für Vorarlberger Verhältnisse „rekordverdächtig niedrigen“ Mieten werden durch Einsparung bei den Errichtungskosten möglich, erklärt Lorenz.
Gespart wird durch die Modulbauweise. Jedes Zimmermodul in Massivholz wird im Werk vorgefertigt, inklusive der Installationen. An Ort und Stelle werden die Zimmermodule zu Wohnungen um das zentrale Stiegenhaus gruppiert. Man möge nicht von Containern sprechen, wünscht sich Lorenz. „Die Gebäude sind langfristig angelegt, auf 80 Jahre plus. Das sind keine Container, die man gleich abreißt.“ (...)
Um niedrigere Bau- und Wohnkosten zu erreichen, wurde klug eingespart. Verzichtet wird auf einen Lift, die barrierefreien Wohnungen befinden sich im Erdgeschoß. Die Gebäude sind nicht unterkellert, haben keine Tiefgarage. Stauraum gibt es dennoch: Die Wohnungen haben eine Abstellnische, im Erdgeschoß steht jeder Einheit ein Kellerabteil zur Verfügung, zusätzlich allgemeine Fahrrad- und Trockenräume.(...)