2014.10.05  VIENNA DESIGN WEEK © 2014 lisa zentner02

25.09.2014

VIENNA DESIGN WEEK

25.9.2014 - 5.10.2014

Palais Schwarzenberg

 

Gastland: UNGARN

MOME LABARATORIES presents: sound weaving by Zsanett Szirmay

 

 

 

sonnwend © 2014 w.kathan

23.09.2014

Wohnzimmer Sonnwendviertel

 

 

 

tauben_matthias cremer

14.09.2014

Wenn die Zeit knapp wird

text DIETHARD LEOPOLD

 

(...)

Von alten Menschen heißt es gelegentlich, dass sie der Ewigkeit nahe seien.

Nicht für alle älteren Leute, die ich kenne, kann ich das bestätigen, ja sogar

eher nur für wenige. Sie sind die Ausnahme von der Regel. In einem Alter, das

dem Dasein in Zeitlosigkeit am nächsten zu sein scheint – und was ist Ewigkeit

anderes als die Abwesenheit der vergehenden Zeit –, sind eher die 40- bis

50-Jährigen, mit einer Schwankungsbreite von sagen wir fünf Jahren nach oben und

unten.

 

Sie haben den Wettlauf um Positionen und Güter hinter sich, haben die

wichtigsten Weichenstellungen ihres Lebens meist nicht mehr vor sich. Zugleich ist ihnen der Tod so fern, dass sie die allseits beliebte Illusion, man lebe

ewig, zwar nicht intellektuell, wohl aber dem Gefühl nach pflegen wie zu keiner

anderen Zeit ihres Daseins.

(...)

Die Alten leben nicht in solcher Seinsvergessenheit.(...)

Nicht mehr alle Zeit der Welt zu haben, im Gegenteil, immer weniger Zeit vor

sich als hinter sich zu haben, erzeugt bei den Menschen jenseits der Fünfzig

eine nur allzu gut bekannte Rastlosigkeit. Eine Art Syndrom breitet sich aus,

jetzt noch schnell dies und jenes erleben zu müssen, tun oder erreichen zu

wollen, durchzusetzen, durchzubringen und wie für die Ewigkeit möglichst fix

einzurichten.
(...)

Und junge Leute eilen in Gebiete, wo sie ihrer Gnadenlosigkeit freien Lauf

lassen, oder tun ihre widerredelose militärische „Pflicht“, geschult und

angestiftet von der Erbarmungslosigkeit der herrschenden Gesellschaften und

ihrer Staatengebilde, angeblicher Religionen und vorgetäuschter, aus bloßem

Eigennutz zusammengebastelter Ethnien. Alle diese jungen und erwachsenen

Menschen scheinen keine Zeit zu haben, auf allseits verträgliche Lösungen warten

zu können, sie wollen das Paradies, jetzt, und erzeugen dabei nichts als die

Hölle.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website  DerStandard: 13.09.2014 (Album), Seite 3 - Gnadenlos. Wenn die Zeit knapp wird

 

Jenseits der fünfzig beginnt die Gnade des Wahns vom grenzenlosen Zeithaben zu schwinden. Wie aber bewältigen wir  die Einsicht in unsere Endlichkeit? Wie die daraus resultierende Unduldsamkeit und Intoleranz?

 

 

 

kellergasse_rudolf_semotan

13.09.2014

Musts

text ALFRED KOMAREK foto RUDOLF SEMOTAN

 

(...)

Aber ich schweife ab, wende mich also unverzüglich dem Thema dieser Geschichte

zu. Ich bin beharrlich mit einem alten Steyr-Waffenrad unterwegs, weil wir uns

in vielen Jahren sehr aneinander gewöhnt haben. Außerdem ist es recht

beruhigend, in manchem von gestern zu sein, weil so mehr Zukunft Platz hat.

Neulich überholte mich, unschlüssig in zahllosen Gängen wühlend, ein

papageienbunter, futuristisch behelmter Radfahrer und rief: „Sie müssen schon

auch einmal mit der Zeit gehen, Herr Komarek!“

 

Meine präpotente Antwort, dass die Zeit gefälligst mit mir gehen solle, nahm er

schon nicht mehr wahr. Und weil es der Zeit genügt, einfach da zu sein, ohne mit

irgendjemandem irgendwohin zu gehen, habe ich ohnedies verzichtbaren Unsinn

geredet.

(...)

Aber es gibt sehr viele, die sich ohne das offenbar hilfreiche Diktat von

Trendsettern, Animateuren, Marketingstrategen, Vorkostern, Vorreisenden,

Vorempfindern, Vordenkern, Vorlebern, Vorglaubern, Meinungsbildnern,

Lebensberatern, Coaches, Kultpredigern, Marken-Vermarktern und weiß der Teufel

was noch alles (natürlich beiderlei Geschlechts) in der Welt nicht mehr

zurechtfänden. Auf sich selbst zurückgeworfen, für sich selbst und für ihr Tun

verantwortlich, aller Wegweiser, Hinweiser und Anweiser ledig, wäre nichts mehr

als orientierungslose Ödnis und Einsamkeit um sie und in ihnen.

 

Wer nicht mitmacht, ist nicht dabei, und wer sich nicht sagen lässt, wohin es zu

gehen hat, muss sehen, wo er bleibt. Das darf nicht geschehen.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard“, 13.09.2014 (Album), Seite 8

 

"Warum müssen wir immer alles müssen?" - Umzingelt von „Musts“, bedrängt von Zwängen, belehrt von Gebrauchsanweisungen, vom Erfolgsdruck gejagt und mit Glücksversprechen belogen, will ich von alldem nichts mehr wissen müssen.

 

 

 

Traditional_Architecture_Langzhong_SICHUAN

13.09.2014

Sichuanpfeffer

text SAMUEL HERZIG

 

Auch wenn sie auf keiner Karte Chinas zu finden ist, so ist doch klar, dass es eine Stadt namens Sichuan geben muss. Sichuan ist eine Stadt, in der man mit der Eisenbahn ankommt – nicht mit irgendeiner Eisenbahn allerdings: Es sind lackschwarz glitzernde Waggons, die von einer dunkelorangen Dampflok ganz langsam in den Bahnhof gezogen werden. Es ist Nacht, und der Bahnsteig gleicht einem gelblichen Fluss, durch den die Schatten grosser Fische huschen.

Wir treten aus der Bahnhofshalle und stehen oben an einer leicht abschüssigen Strasse, über der eine dichte Wand aus Dunst hängt, in der sich die Äste mächtiger Bäume in einem leichten Sommerwind hin und her bewegen: die Hauptstrasse von Sichuan. Die Strasse ist kaum beleuchtet, doch stehen in unregelmässigen Abständen kleine Buden an ihrem Rand, von deren Küchen ein flackerndes Licht ausgeht. An allen Herden wird leise, aber tüchtig gekocht, und es sind die ganzen Töpfe und Pfannen, die den Dunst über der Strasse produzieren. Hinter diesen Buden glänzen die dunkelfarbig bemalten Holz-Fassaden grosser Restaurants, an einigen sind Girlanden aus papierenen Lampions befestigt. Die Speisesäle gleichen Terrassen und sind zur Strasse hin offen. Geschickt tragen Kellner Tabletts mit feucht schimmernden Köstlichkeiten zwischen den Gästen hindurch, die sich mit leiser Stimme unterhalten.

Man fragt sich, ob die Stadt wohl jenseits dieser einen Strasse weitergeht, ja ob es überhaupt etwas ausserhalb dieser Strasse gibt. Autos sind keine zu sehen. Nur Fahrradfahrer huschen dann und wann wackelnd durchs Dekor: Sie tauchen plötzlich zwischen den Bäumen auf, um kurz darauf wieder im Dunkeln zu verschwinden. Ab und zu kommt es vor, dass einer klingelt – doch es ist ein ganz leises Klingeln, wie ein ferner Gong. Das einzig Laute hier ist der Duft von frisch geröstetem Sichuanpfeffer – als hätte man ein ebenso teures wie geheimnisvolles Holz verbrannt. Es ist dieser Duft, der die Stadt Sichuan hervorbringt und ihr einen festen Platz zuweist auf der grossen Weltkarte der Aromen.

 

Neue Zürcher Zeitung vom 13.09.2014, Seite 51- MunDstücke

 

 

 

richard Straub

13.09.2014

Das große Innovations-Paradoxon

Text RICHARD STRAUB

 

Wir leben in einer Zeit eines großen Paradoxons. Digitale Technologie mit ihrer

exponentiellen Entwicklung bringt uns ein in der Menschheitsgeschichte bisher

nie gekanntes Potenzial für Innovation – wie etwa neue Geschäftsmodelle, neue

Industrien und Wirtschaftszweige, neue Lern- und Arbeitsformen.

(...)

Es fließen einfach zu wenig Mittel in wahre unternehmerische Innovation. Die

Wall Street gibt den Takt vor – die Unternehmen, die die Gewinnerwartungen im

Quartal nicht erreichen, werden postwendend mit Kurseinbrüchen bestraft. CEOs,

die nicht in der Lage sind, den Aktieninhabern einen raschen Anstieg des Kurses

zu bieten, bleiben nicht lange CEOs.

 

Die Bereitschaft, in längerfristige, risikoreiche Innovationsprojekte zu

investieren, hält sich daher in engen Grenzen. Den klaren Vorrang bekommen

Rationalisierungsprojekte, die Möglichkeiten der Informations- und

Kommunikationstechnologien nutzen, um Kosten zu reduzieren und somit

kurzfristige Gewinnverbesserungen zu erzielen. Die Shareholder-Value-Logik

erfordert, dass das damit freigesetzte Kapital wiederum für weitere

Verbesserungen von Effizienz und Produktivität eingesetzt wird.

(...)

Dabei hatten die großen Gesellschaften nie so viele Mittel zur Verfügung wie

heute. Die Cash-Bestände sind auf Rekordniveau, und zusätzliche Mittel werden

über Kredite hereingeholt. Damit schwimmen zahlreiche Großunternehmen geradezu

in Liquidität, deren überwiegender Teil jedoch für Aktienrückkäufe eingesetzt

wird. Mit Aktienrückkäufen wird der Kurswert gepflegt, wie man so schön sagt.

 

Man könnte auch von Manipulation sprechen, wenn derartig gewaltige Mittel zur

kurzfristigen Gewinnmehrung von spekulierenden „Eigentümern“ und dem

Topmanagement selbst eingesetzt werden. Diese Situation ist skandalös und unhaltbar.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard 13.09.2014, Seite 12

 

Das Potenzial für Innovationen ist groß wie nie. Gleichzeitig befinden wir uns in einer akuten Innovationskrise. Warum das so ist und weshalb die EU möglicherweise einen weiteren heilsamen Schock benötigt.

 

 

 

badmuenstereifel_city_outlet_jürgens

13.09.2014

Shoppingcenter vor historischer Kulisse

text MARIANNE SCHULZE, FRANZISKA ZOIDL

 

Im deutschen Bad Münstereifel gibt es seit kurzem ein neuartiges Einkaufskonzept: Statt auf der grünen Wiese wurden Outlet-Läden im mittelalterlichen Stadtkern errichtet – die Innenstadt wird dadurch zu neuem Leben erweckt. Betreiber ist die österreichische ROS.

Bad Münstereifel liegt am Ostrand der Eifel im Süden von Nordrhein-Westfalen und

ist ein mittelalterliches Städtchen mit einer nahezu vollständig erhaltenen

restaurierten Stadtmauer. Doch wer den Kneipp-Kurort vor ein paar Jahren

besuchte, der erlebte eine graue Stadt mit einer überschaubaren Auswahl an

Geschäften. Die einzige Attraktion: das Café von Schlagersänger Heino.

 

Heute ist das anders: Die alten Häuser wurden restauriert oder zumindest frisch

gestrichen. Entlang dem Flüsschen Erft, das sich durch den mittelalterlichen

Stadtkern schlängelt, bummelt man an Schaufenstern vorbei. Tische stehen vor den

Lokalen, und selbst an einem Freitagmorgen herrscht schon Leben in der Stadt.

 

Der Grund: In den teils denkmalgeschützten Häusern der historischen Innenstadt

wurde ein Outlet-Center entwickelt, das rund 30 Geschäfte mit bekannten Marken

umfasst. Hinzu kommen noch die Geschäfte, die hier schon lange ansässig sind,

beispielsweise eine Buchhandlung, ein Haushaltswarengeschäft und ein Hutladen.

Hier scheint die vieldiskutierte Wiederbelebung der Innenstadt durch den

Einzelhandel also tatsächlich funktioniert zu haben.

 

Das Konzept des „City Outlet Bad Münstereifel“ ist neu und bislang einzigartig (...) Eine der Herausforderungen des Konzepts

sei gewesen, dass jedes Haus aufgrund des Denkmalschutzes individuell mit

Architekten und der jeweiligen Marke geplant werden musste (...)

Insgesamt wurden so 12.000 Quadratmeter Mietfläche für den Einzelhandel

entwickelt, außerdem 4000 Quadratmeter Gastronomie.

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard,  13.09.2014

 

 

 

cuidado_Lacaton _Vassal

06.09.2014

Baukultur denken ohne jedes Tabu

text  WOJCIECH CZAJA

 

Die heurigen Baukulturgespräche beim Europäischen Forum Alpbach widmeten sich der lebenswerten und gerechten Stadt. Dazu gehört auch die viel zitierte und selten eingelöste Leistbarkeit von Wohnraum. Ein paar Ansätze im Vergleich.

Ein Rückblick.

 

Vor wenigen Tagen gingen im hübschen Tiroler Kleinod Alpbach die Europäischen

Baukulturgespräche zu Ende. Das übergeordnete Thema lautete heuer: „At the

Crossroads. Lebenswerte und gerechte Städte schaffen“. Präsentiert wurden

Initiativen und künstlerische Quartiersimpulse zwischen Ljubljana und Rio de

Janeiro, Überlegungen zu einer neuen Form von urbaner Nachbarschaft sowie

architektonische und stadtplanerische Reaktionen auf die stetig wachsende Stadt.

Und dann war da noch die Leistbarkeit, die in vielen Vorträgen und Diskussionen

angeschnitten wurde. Denn leistbar – darin waren sich fast alle Diskutanten

einig – ist das Wohnen in den Ballungsräumen schon lange nicht mehr. „Einen

hohen, ernstzunehmenden Grad an Leistbarkeit zu erreichen erfordert Fokus und

Durchhaltevermögen in der Willensbildung“, sagte Michael Wagner-Pinter, CEO der

Synthesis Forschung Gesellschaft in Wien. „Das kann man nicht einfach an die

Politik delegieren. Da muss die Privatwirtschaft mit anpacken.“

Leichter gesagt als getan. Denn tatsächlich werden die Zentren immer teurer und

teurer. Schuld daran sind nicht nur Grundstückspreise, sondern auch die

kontinuierlich steigenden Anforderungen an den Wohnbau.

„Wenn wir von leistbarem Wohnen sprechen, dann müssen wir die Häuser für

Menschen in Zukunft von jenen für Autos trennen“, forderte Verkehrspapst Hermann

Knoflacher. „Wenn wir uns dazu nicht überwinden, wird das nicht klappen, denn

ein großer Teil unserer Wohnkosten fließt in unterirdische Garagen.“ Und Georg

Pendl, Präsident der Bundes-Architektenkammer, meinte: „Wir alle zitieren immer

wieder die wunderbaren Wohnbauten der Pariser Architekten Lacaton & Vassal, wenn

es um leistbares Wohnen geht. Völlig zu Recht! Doch die Wahrheit ist: Wenn ich

so ein Haus in Österreich baue, dann lande ich im Gefängnis.“ (…)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard"

 

 

 

box2_stadtbiotop

05.09.2014

Temporäres für Erdgeschoß und Container

text FRANZISKA ZOIDL

 

In Wien sind Pop-up- Angebote angekommen. Ob kleines Geschäftslokal oder Frachtcontainer:  Die Standorte können unkompliziert und temporär gemietet werden – und könnten dem Handel wichtige Impulse geben.

 

Für eine Woche ist Anna Zajac mit ihrem Modelabel Sternentau in der Gumpendorfer

Straße 68 zu Gast. Hier verkauft sie in einem kleinen Geschäftslokal

selbstdesignte Handtaschen. Dann zieht sie weiter – und jemand anderer hier ein.

„Jeder interpretiert den Raum anders“, sagt Georg Demmer vom Unternehmen Co

Space, das das Pop-up-Geschäft seit März vermietet.

Denn die Regale, in denen momentan schicke Handtaschen ausgestellt werden,

können rasch zu Bänken umfunktioniert werden. Selbst Konzerte wurden hier schon

veranstaltet. „Ich kann ausprobieren, wie meine Taschen ankommen“, erzählt die

Designerin. Ein eigener Shop wäre ihr zu riskant.

 

Glaubt man Experten, ist das ein Konzept der Zukunft: Die RegioPlan Consulting

vermeldet für das vergangene Jahr österreichweit einen Rückgang der

Einzelhandelsflächen um 0,8 Prozent. Gänzlich verschwinden werde die

Handelsfläche zwar nicht, Shops der Zukunft würden aber andere Funktionen

erfüllen, etwa der Inspiration dienen oder Synergieeffekte mit dem Onlinehandel

generieren. Von Pop-up- bis Pick-up-Stores sei alles denkbar.

 

Unweit der neuen Wirtschaftsuniversität gibt es seit Juni ein temporäres

Einkaufszentrum: Das Stadtbiotop, bestehend aus Frachtcontainern, bietet Flächen

für Handel und Gastronomie zur flexiblen und kurzfristigen Miete.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard 5.9.2014