
30.03.2020
Virologen regieren die Welt
Politiker gebärden sich als ihre Erfüllungsgehilfen: Dabei bleibt viel Vernunft auf der Strecke
text | Reinhard K. SPRENGER
Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. So lautet das neue Credo im Zeichen von Corona. Doch verbergen sich hinter der neuen Beschwörung von Alternativlosigkeit gleich mehrere folgenreiche Denkfehler.
Was man nicht rechnen kann, muss man entscheiden. Die Milchglasscheibe, der offene Ausgang, die unkalkulierbare Konsequenz, das ist es, was zur Entscheidung drängt (im Unterschied zur Wahl, die sich fakten- oder wertbasiert zu einer Seite neigt). Führung zieht ihre Existenzberechtigung aus genau diesen dilemmatischen Situationen – wenn es gute Gründe für die eine Seite gibt und gute Gründe für die andere. Im strengen Sinne weiss man erst im Nachhinein, was man entschieden hat. Führungskräfte sind, so gesehen, Krisenparasiten.
Häufig sind sie jedoch nicht auf der Höhe der Komplexität, die zu bewältigen sie bezahlt werden. Dann ziehen sie Berater herbei, die so lange Daten sammeln, bis die Dinge eindeutig und konfliktfrei scheinen. Also nicht mehr entschieden werden müssen. Das entlastet. Der Preis dafür ist Verantwortungsdiffusion bis hin zur Delegitimierung der Führung.
Genau das passiert gerade im grossen Massstab. Die Politik hat abgedankt, Virologen regieren die Welt. Man mag diese Differenzierung für spitzfindig halten. Aber Politiker treten bevorzugt in Begleitung von Wissenschaftern auf und begründen ihre Massnahmen mit dem Verweis auf Forschungsergebnisse. «Alternativlos!» signalisiert das, der Konflikt zwischen Freiheit und Gesundheit ist moralisch vorentschieden, Widerspruch ist tabu. Man kann sich ja gar nicht genug fürchten. Schnell wird vergessen, dass wir Menschen uns zwar dem Sachzwang beugen können, aber nicht beugen müssen. (...)

22.03.2020
Zeitalter der Angst
Wir leben im Zeitalter der Angst: Wie wir von ihr genesen – und die Zeit zu Hause am besten nutzen
text | Norbert BOLZ
Der Geist ist eine mächtige Ressource, in Zeiten von Corona noch mehr als sonst. Um stark zu sein, muss er verstehen, was geschieht. Und er braucht ständig Nahrung. Nur welche?
Nach dem goldenen Jahrzehnt zwischen dem Fall der Mauer und dem 11. September hat das Zeitalter der Angst begonnen. Erst der islamistische Terror, dann die Massenmigration, dann der Klimawandel – und nun das Virus. Doch während wir den Terror und die neue Völkerwanderung zumeist durch den Bildschirm geschützt betrachten und die vorhergesagte Klimakatastrophe erst in (un)absehbarer Zukunft droht, betrifft uns das Virus hier und jetzt.
Es droht uns allen – aber doch in sehr unterschiedlicher Weise. (...)
Die Lage ist so ernst, dass man von einem Ausnahmezustand sprechen muss. Das hat zwei Implikationen – eine existenzielle und eine politische. Das Virus konfrontiert die meisten Bürger unserer Wohlstandsgesellschaft wohl zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem echten, ernstgemeinten, ernsten Überleben. Und es führt uns alle an den Ursprung des Staates zurück: zu der von Thomas Hobbes definierten Relation von Schutz und Gehorsam. (...)
Der grosse französische Philosoph und Mathematiker Pascal meinte: «Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.» Der Mensch ist nämlich das endogen unruhige Wesen, ständig auf Betätigung, Zerstreuung und Ablenkung bedacht – und zwar aus Angst vor der Selbstbegegnung. Er kann es mit sich selbst nicht aushalten. (...)
Mit den Ultramobilen wird jetzt die Probe auf die grosse Verheissung der neuen Medien gemacht: Telekommunikation statt Mobilität. Bleiben Sie zu Hause, und arbeiten Sie gefälligst im Home-Office! (...)
Norbert Bolz ist emeritierter Professor für Medienwissenschaften an der TU Berlin. Zuletzt sind von ihm die Werke «Zurück zu Luther» (2016) und «Philosophie nach ihrem Ende» (2015) erschienen (beide im Wilhelm-Fink-Verlag).
>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“
16.03.2020
Büro-Wohnen statt home-office
Architekturbüro im STUDIO 101 - nicht zu Hause arbeiten sondern in der Arbeit zu Hause sein. Lebendige, anregende Umgebung, Blick in den Innenhof zu den spielenden Kindern. So kann Büro auch sein.
Lisa Zentner Architektur und Interior Design

09.03.2020
Stylish Home Offices
Schöne Beispiele von Interior-Designern in den USA.
Quelle: 25 inspiring Home Offices 1stdibs Editors