MY COSMIC CAMPFIRE Olafur ELIASSON 2013 LENTOS, Linz

29.06.2013

IM MUSEUM IST KEINER ALLEIN Lentos Linz OLAFUR ELIASSON

Text WILTRUD HACKL Foto LENTOS

 

Artikel aus "Der Standard" vom 11.04.2013, Seite 32.

Mit „Your Cosmic Campfire“ bespielt der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson einen 800 m2 großen Raum im Linzer Lentos mit einer einzigen Lichtinstallation. Darüber hinaus ist er auch als Unternehmer und Aktivist präsent. Ein Gespräch. 

Linz – Der Mann hat eine Mission. Und alle hören ihm genau zu. (...)

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ALVARO SIZA foto Fernando GUERRA

29.06.2013

LANGSAM. UNENTBEHRLICH. Interview mit ALVARO SIZA

Text Wojcziech CZAJA Foto ABITARE

 

Artikel aus "Der Standard" vom 29.06.2013, Seite 40.

Am Dienstag feierte der portugiesische Architekt und Pritzker-Preisträger Álvaro Siza Vieira seinen 80. Geburtstag. Wir gratulierten ihm mit ein paar Fragen.

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>> SIZA SIGN kurzfilm FERNANDO GUERRA www.ultimasreportagens.com

 

 

 

© Karin Hofer / Neue Züricher Zeitung

08.06.2013

FAVELA CAFÉ Art Basel TADASHI KAWAMATA (Gesamtversion)

Text PHILIPP MEIER Fotos KARIN HOFER / NZZ

 

Artikel aus der "Neue Zürcher Zeitung" vom 08.06.2013, Seite 83

EIN RASTPLATZ FÜR DURCHREISENDE

Der Basler Messeplatz ist nicht wiederzuerkennen. Die städtebauliche Entwicklung hat an diesem für die Rheinstadt wichtigen Ort zu einer starken Verdichtung geführt. Ein aus silbernem Garn geflochtener, monumentaler Riegel hat sich quer über den Platz geschoben und die einst zur Innenstadt hin offene Raumsituation in einen abgeschlossenen Hof verwandelt. Dieser wird nun gesäumt von der Hofmann-Rundhalle, dem Messeturm, dem Parkhaus - und eben dem neuen Hallenkomplex von Herzog & de Meuron. Wer dieses Jahr der Art einen Besuch abstattet, könnte also zu Anfang irritiert sein von der veränderten räumlichen Situation, die er vor den Toren der Basler Kunstmesse antrifft. Die Wahrnehmung wird indes nicht allein durch das neue architektonische Ensemble herausgefordert, sondern vielmehr auch durch eine Handvoll Wellblechhütten, die beim grossen Brunnen, entlang der Fassade der Rundhalle, hingestreut sind. Wo früher die Besucher der Art auf dem weiten Platz von Grossskulpturen internationaler Künstler empfangen wurden, hat sich jetzt am Rand des verbleibenden Gevierts inmitten der markanten Messebauten ein kleines Favela-Dorf eingenistet.

 

Temporäre Gemeinschaft

Die Handschrift dieser Bretterverschläge, zwischen welchen hindurch ein hölzerner Steg mäandriert, ist beim zweiten Blick rasch zu erkennen. Der japanische Bau-Poet Tadashi Kawamata war hier am Werk. Seit Jahrzehnten weltweit bekannt für seine architektonischen Interventionen im öffentlichen Raum mit behelfsmässig zusammengezimmerten Holzkonstruktionen, hat er hier einen Auftrag der Messeorganisation wahrgenommen und für die Art Basel ein «Favela Café» erstellt. Beim emsigen Kommen und Gehen können hier Messebesucher einen Zwischenhalt einlegen, den müden Beinen eine Rast gönnen, sich verpflegen und in einem der Unterstände Schatten vor der Sonne oder Schutz vor Wind und Wetter finden. Nicht viel anders als all die Galerienkojen in den Messehallen sind auch diese Stände nur auf Zeit errichtet. Kawamatas Werk wird ebenso wieder verschwinden wie der ganze Rummel der Kunstmesse. Dies ist nicht weiter ungewöhnlich, denn die meisten Kunstwerke von Kawamata sind lediglich temporäre Erscheinungen.

 

Während der Aufbauarbeiten ist der grossgewachsene und kräftige, heute gut sechzigjährige Künstler persönlich mit Bohrmaschine auf seiner Baustelle anzutreffen. Auf die Frage, ob sein «Favela Café» Kunst oder Architektur sei, gibt er bescheiden zur Antwort: «Weder noch, eher eine Konstruktion.» Kawamata gehört nicht zur Sorte von Künstlern mit Starallüren. Sich zu inszenieren mit seiner Kunst, ist nicht seine Sache. Und sowieso ist seine Basler Favela, wie so viele seiner früheren Arbeiten auch, ein Gemeinschaftswerk. Zusammen mit Freiwilligen des Vereins «Landestelle» hat er das Hüttendorf aufgebaut. Das Material, alte Bretter, Wellbleche und ausrangierte Fensterscheiben, hat der Basler Architekt Christophe Scheidegger, der schon seit 1998 mit Kawamata zusammenarbeitet,im Basler Hafen besorgt. Dorthin werden nach der Art Basel die Bretterbuden auch wieder zurückkehren. Denn als Gegenleistung für ihre Hilfe beim Aufbau überlässt Kawamata seine Baracken den Betreibern der «Landestelle», die unter diesem Namen im Sinne einer Zwischennutzung auf einer Brache am Basler Hafen für fünf Jahre eine Bar und ein Restaurant führen werden. Mit den jungen Leuten hat Kawamata während des dreiwöchigen Aufbaus gleichsam eine ganz eigene Gemeinschaft gebildet - nicht viel anders als die Bewohner von Favelas in südamerikanischen Grossstädten, wie der Künstler sagt.

 

Er hat denn auch bereits früher, 1991 in Houston und 1992 an der Documenta in Kassel sowie letzten Sommer während des Kunstfestivals «Track» im belgischen Gent, Favela-Projekte realisiert. Dabei findet Kawamata nicht etwa Gefallen am inszenierten oder imitierten Elend südamerikanischer Armensiedlungen. Sein Interesse gilt vielmehr den zumeist illegal errichteten und in der Regel temporären Substrukturen, wie sie sich in Gestalt solcher Barackendörfer in den offiziellen Stadtstrukturen einnisten. Favelas, Shanty-Towns oder Slum-Villages entstehen zwischen Häuserzeilen, in urbanen Zwischenräumen, und nehmen städtische Leerstellen und Lücken in Beschlag. Solch anarchisch wuchernde, von den Behörden bisweilen beseitigte und von einer Subkultur immer wieder neu aufgebaute Alternativ-Wohnsiedlungen stellen nicht zuletzt ein markantes Gegenbild zu den gleichsam für die Ewigkeit erstellten, coolen Architektur-Ikonen moderner Grossstädte dar.

 

Die Welt als vorläufige Wohnstätte

Kawamatas Favelas können als Metaphern für die im Fluss des täglichen Lebens stehenden urbanen Veränderungen wider alle Städteplanung begriffen werden. So interagiert das Basler «Favela Café» mit den besonderen Bedingungen seines Standorts, des Messeplatzes: Denn letztlich ist dessen - längst nicht in den Augen aller städtebaulich gelungene - Umgestaltung den sich verändernden Anforderungen der Messestadt Basel geschuldet.

 

Für Kawamata als Japaner und Buddhist ist es im Übrigen nichts Ungewöhnliches, dass sich Stadtbilder verändern. In Japan werden alte Häuser regelmässig abgerissen, Naturkatastrophen zerstören bisweilen Dörfer oder ganze Städte, und der hölzerne Ise-Schrein etwa, Japans höchstes shintoistisches Heiligtum, wird alle zwanzig Jahre von Grund auf neu erstellt.

 

Kawamatas Kunst auf Zeit widerspiegelt gewissermassen das buddhistische Konzept des «Kari no Yado», der «vorläufigen Wohnstätte». Dieser Auffassung gemäss ist die Welt für den Menschen, der auf seinem Lebensweg als Durchreisender verstanden wird, nur eine temporäre Behausung. Kawamatas Holzschuppen sehen denn auch nicht viel anders aus als jene Unterstände am Wegrand, die im alten Japan den Reisenden als Rastplatz und Unterschlupf zugleich dienten.

 

 

 

 

 

© Neue Zürcher Zeitung

08.06.2013

SOMMER-PAVILLON SERPENTINE GALLERY London SOU FUJIMOTO (Gesamtversion)

Text MARION LÖHNDORF Fotos ARCHDAILY & IWAN BAAN

 

Artikel aus der "Neuen Zürcher Zeitung vom 08.06.2013, Seite 59.

EIN MÄRCHENHAUS AUS LUFT UND SCHATTEN

Einen Gartenpavillon als Märchenhaus des 21. Jahrhunderts baute Sou Fujimoto vor die Serpentine Gallery in den Kensington Gardens. Im Sonnenschein strahlt es als Wunderwerk an Transparenz, Geometrie und Poesie. Im Grunde ist der Bau des japanischen Architekten vor allem ein Gerüst aus weiss gestrichenen Eisenstangen, die zu Quadraten und Rechtecken zusammengesetzt wurden und am oberen Ende der Gesamtkonstruktion offen bleiben. Doch was auf den ersten Blick so klar und linear aussieht, verschwimmt beim Betrachten mit dem Effekt optischer Täuschungen eines Op-Art-Gemäldes. Die Geraden kommen in Bewegung, und etwas ganz anderes entsteht vor unseren Augen: ein Objekt im Zustand der Auflösung. Bei jeder kleinsten Standortveränderung des Betrachters ergeben sich perspektivische Verschiebungen mit dynamischer Wirkung. An manchen Stellen bieten übereinander gelagerte runde Polycarbonat-Scheiben Schutz vor allfälligem Regen; vereinzelt sorgen durchsichtige Glasplatten für Trittflächen. Hie und da ist ein Geländer angebracht - doch viele gibt es nicht davon. Wer auf dem Bauwerk umherspazieren will, sollte schwindelfrei sein und gute Augen haben, um zwischen Glas und Leerstelle unterscheiden zu können:

 

State of the Art

Das materiell Vorhandene - Plastic und Stahl - und das es umschliessende Nichtgreifbare - Licht, Luft und Schatten - gehen eine anstrengungslos scheinende Verbindung ein. Wie andere Architekten vor ihm spielt auch Fujimoto mit dem Gedanken der Vergänglichkeit: Denn die Pavillons der Londoner Serpentine Gallery besitzen den Charme des Flüchtigen. Sie sind nur einen Sommer lang zu sehen, bevor sie im Herbst wieder abgebaut werden. Dabei zeigen sie, was in der Architektur State of the Art ist. Rund 250 000 Besucher besuchen die Sommer-Pavillons jeweils. Dazu kommt eine Fülle von Bildern und Berichten, die um die Welt gehen.

 

Die Gestaltung dieser prestigeträchtigen Konstruktionen lädt zu Vergleichen mit den Vorgängern ein. So ist Fujimotos Gartenhaus weit entfernt von einem unterirdischen Zufluchtsort, den im vergangenen Jahr Herzog & de Meuron und Ai Weiwei geschaffen haben. Es ist auch kein Hortus conclusus wie Peter Zumthors eindrückliche Schöpfung vor zwei Jahren und nicht einmal von Ferne verwandt mit dem rot geschminkten Fanal, das Jean Nouvel zuvor auf den Rasen vor der Serpentine Gallery pflanzte. Stattdessen lässt sicheine Genealogie ablesen von Sanaa und von Toyo Ito, mit dem Fujimoto zusammenarbeitete und der ihn für den wichtigsten Architekten des 21. Jahrhunderts hält. Toyo Ito gilt als einflussreichstes Vorbild einer jüngeren Generation von in Tokio arbeitenden Architekten, die neue Ideen von Öffentlichkeit und Privatheit und die Aufhebung architekturaler Grenzziehungen - durch Mauern und Wände etwa - entwickelten.

Sou Fujimotos Pavillon radikalisiert die Idee offener, durchlässiger Strukturen. Er lockt nicht mit Verstecken, besitzt keine Wände und kennt kein Innen und Aussen. Natur und Kunst gehen ineinander über. Die Aussenwelt ist von innen, einer mit Stühlen und Tischen variabel bestückten Betonfläche, wahrnehmbar - die Bäume, der Rasen, das Gebäude und auch die aus mittlerer Distanz dröhnende, vielbefahrene Strasse. Aber man kann auch von aussen durch das Gebäude blicken. Es ist noch durchlässiger als ein Glashaus.

 

An dramatischen schwarzen Schattenflächen fehlt es, obwohl das Spiel mit den Schatten eines der schönsten Elemente der fragil erscheinenden, beim Betrachten und Betreten Schwindel erregenden Gitterkonstruktion ist. Das Netz der Schatten verdichtet sich an verschiedenen Stellen, an anderen weitet es sich. Wie zufällig beziehen sich die weissen Vierecke auf die Quadrate der Sprossenfenster des dahinter liegenden Galeriegebäudes, doch in Wirklichkeit ist hier nichts zufällig. Im Sonnenlicht korrespondiert das geometrische Gespinst aus Lichtreflexen mit dem Blätterschatten der umliegenden Bäume. Das Gebäude fusst auf einer Betonfläche, die von weissem Kies bis zu den linear verlaufenden Rasenkanten umgeben ist: Hier bricht sich der Schatten noch einmal ganz anders.

 

Der Architekt dieses Hauses aus Wind und Licht muss ein Optimist sein: An einem sonnigen Tag ist es hinreissend. Abends wird es von im Boden eingelassenen Leuchten bestrahlt. Wie aber mögen sich Besucher an konturlos bleigrauen Regentagen in Fujimotos Gehäuse fühlen? Das Konzept des Pavillons stellt kaum praktische Erfordernisse an eine architektonische Struktur, die sich in grösstmöglicher Freiheit entfalten kann. Nur die Besucher der Sommer-Events, ein paar einfache weisse Stühle, Tische und eine Cafébar von Fortnum and Mason müssen Platz darin finden. Und das ist ganz einfach.

 

Wolke aus Stahl

Die weisse Farbe des asymmetrisch konstruierten Gestänges lässt an eine Wolke denken, vor allem von weitem: So hat es der Architekt, nach eigenem Bekunden, beabsichtigt. Insgesamt ist der Bau, der bis Oktober zu sehen sein wird, trotz - oder vielleicht gerade wegen - seinen relativ gleichförmigen geometrischen Modulen offen für Assoziationen. Er schickt die Phantasie des Betrachters auf Reisen: Man kann sich an ein Baugerüst, ein Spalier, ein Gerät auf einem Kinderspielplatz, ein Treibhaus, eine architektonische Skizze oder ein digitales Netzgitter erinnert fühlen. Der Pavillon denkt Fujimotos Werke weiter, die in der Mehrzahl in Japan realisiert wurden: Sein Haus «NA» von 2011 ist vielflächig begehbar und setzt sich ebenfalls aus gleichartigen, offenen Modulen zusammen: Fujimoto selbst verglich es mit einem Baum, den ein Kind von Ast zu Ast erklettern kann,um jeweils eine neue Perspektive aufs Ganze einzunehmen. Sein «Tokyo Apartment» von 2010 scheint aus mehreren auf- und ineinander verschachtelten kleinen Häusern zusammengesetzt zu sein. Doch noch sind Dach und Wände in konventioneller Manier vorhanden. Sein «Children's Center for Psychiatric Rehabilitation» (2006) reiht ähnliche Einzelelemente noch in linearer Abfolge auf: Seine im Rückblick abzulesende Entwicklung zu immer grösserer Durchlässigkeit hat im Serpentine Pavilion ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden.

 

Der Serpentine Gallery Pavilion ist bis 20. Oktober geöffnet.

 

 

 

 

foto ROLAND HALBE

07.06.2013

TANZENDE BETONKUBEN berlin SERGEI TCHOBAN

text JÜRGEN TIETZ foto ROLAND HALBE
Freitag, 7.Juni 2013  Neue Zürcher Zeitung  Seite 13 
 
Sergei Tchobans neues Museum für Architekturzeichnung in Berlin  
Mit einer Ausstellung von Giovanni Battista Piranesis Zeichnungen der Tempel in Paestum 
wurde vor wenigen Tagen in Berlin das neue Museum für Architekturzeichnung eröffnet. 
Spektakulär ist nicht nur die Museumsgründung, sehenswert ist auch der skulpturale Neubau.  
Berlin hat ein neues Museum. Ein kleines zwar, aber eines, das allein schon dank seiner 
ungewöhnlichen Architektur und seinem Thema für Aufmerksamkeit sorgt. Gerade einmal 
acht Meter breit ist das neue Haus, das den Eingang zum Kultur-Campus am Pfefferberg in 
Berlin markiert. Mit ihm will der Architekt, Zeichner und Sammler Sergei Tchoban die 
öffentliche Aufmerksamkeit für das Genre der Architekturzeichnung stärken. (...)
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© 2013 Adrian Baer/NZZ

06.06.2013

DIE AKROBATISCHE RÜCKEROBERUNG DER STÄDTE zofingen WALTER AESCHLIMANN

text WALTER AESCHLIMANN foto ADRIAN BAER/ NZZ

Artikel aus der "Neue Zürcher Zeitung" vom 08.06.2013, Seite 83

 

Die akrobatische Rückeroberung der Städte

Mit einer Gruppe von Traceuren unterwegs in Zofingen

Skateboarder, Urban Climber, Breakdancer, BMX-Fahrer oder Slackliner: Subkulturelle Körperakrobaten erfüllen eine vielschichtige Rolle im öffentlichen Raum.

 

Joel misst den Abstand von einem Holzpfahl zum anderen mit den Füssen. Fast drei Meter. Dies ist sein Limit. «Wenn du diesen Sprung nicht schaffst, bist du übel dran», sagt er. Ohne Helm, auch schutzlos an Rücken und Gelenken, setzt er zum «Präzisionssprung» an. In der Hocke steht er auf dem zwei Meter hohen Pfosten. Zum anderen will er springen. Die Augen auf das Ziel fixiert, die Muskeln angespannt. Dann schnellt er los. (…)

 

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