text PHILIPP MEIER

 

Jeden Tag einen Löffel schnitzen. Dies tut der Brasilianer Alvaro Abreu seit vielen Jahren. Nicht um davon zu leben, nein. Er war von Berufs wegen Produktionsingenieur, Universitätsprofessor und Unternehmer und hätte dies sicher gar nicht nötig. Er tut es aber gleichwohl, um davon zu leben – in einem ganz anderen Sinn. Es ist sein täglich Brot geworden, sein Lebenssinn gewissermassen. Das Bambuslöffelmachen wurde ihm zur Berufung.

Alvaro Abreu begann mit seinem Exerzitium vor knapp zwanzig Jahren. Von einem solchen zu sprechen, ist dabei nicht so falsch. Abreu hat daraus ein Ritual gemacht. Oder vielmehr ist der Umgang mit Bambus, Messer und Schleifpapier für ihn zu einer unerlässlichen Gewohnheit geworden. Tausende von Löffeln hat er schon gemacht.

Schaut man ihm bei der Arbeit zu – die Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur zeigt auch ein Video –, so wird man Zeuge einer sehr konzentrierten Tätigkeit, bei der jeder Handgriff völlig natürlich erscheint und sich wie von selbst aus der Abfolge der einzelnen Arbeitsprozesse ergibt. Auch scheint das Löffelschnitzen für Abreu eine erfüllende Beschäftigung zu sein. Man ist an japanische Handwerker erinnert und an deren Demut vor dem Material, deren Ruhe und Geduld auch im Umgang mit diesem.

Immer schnitzt Abreu seine Löffel aus einem einzigen Stück Bambus. Er belässt sie unlackiert, in ihrem Naturzustand. Allein durch Schleifen und Polieren erhalten sie ihren sanften Glanz. Die sichtbare Maserung des Holzes, die Knoten des Bambus werden dabei zu Gestaltungselementen.

Bei seinem geradezu spielerischen Tun erfindet Abreu immer wieder neue Formen, als ob ihm das Material je nach Beschaffenheit selber die ideale Gestaltung einflüstern würde. Dabei geht es ihm tatsächlich um eine rein gestalterische Idee: Was alles kann ein Löffel sein, welche Formen ermöglicht das äusserst vielseitig verwendbare Material Bambus? Wie weit kann man das einfache Thema Löffel variieren? (…)

 

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