Text RICHARD STRAUB

 

Wir leben in einer Zeit eines großen Paradoxons. Digitale Technologie mit ihrer

exponentiellen Entwicklung bringt uns ein in der Menschheitsgeschichte bisher

nie gekanntes Potenzial für Innovation – wie etwa neue Geschäftsmodelle, neue

Industrien und Wirtschaftszweige, neue Lern- und Arbeitsformen.

(...)

Es fließen einfach zu wenig Mittel in wahre unternehmerische Innovation. Die

Wall Street gibt den Takt vor – die Unternehmen, die die Gewinnerwartungen im

Quartal nicht erreichen, werden postwendend mit Kurseinbrüchen bestraft. CEOs,

die nicht in der Lage sind, den Aktieninhabern einen raschen Anstieg des Kurses

zu bieten, bleiben nicht lange CEOs.

 

Die Bereitschaft, in längerfristige, risikoreiche Innovationsprojekte zu

investieren, hält sich daher in engen Grenzen. Den klaren Vorrang bekommen

Rationalisierungsprojekte, die Möglichkeiten der Informations- und

Kommunikationstechnologien nutzen, um Kosten zu reduzieren und somit

kurzfristige Gewinnverbesserungen zu erzielen. Die Shareholder-Value-Logik

erfordert, dass das damit freigesetzte Kapital wiederum für weitere

Verbesserungen von Effizienz und Produktivität eingesetzt wird.

(...)

Dabei hatten die großen Gesellschaften nie so viele Mittel zur Verfügung wie

heute. Die Cash-Bestände sind auf Rekordniveau, und zusätzliche Mittel werden

über Kredite hereingeholt. Damit schwimmen zahlreiche Großunternehmen geradezu

in Liquidität, deren überwiegender Teil jedoch für Aktienrückkäufe eingesetzt

wird. Mit Aktienrückkäufen wird der Kurswert gepflegt, wie man so schön sagt.

 

Man könnte auch von Manipulation sprechen, wenn derartig gewaltige Mittel zur

kurzfristigen Gewinnmehrung von spekulierenden „Eigentümern“ und dem

Topmanagement selbst eingesetzt werden. Diese Situation ist skandalös und unhaltbar.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard 13.09.2014, Seite 12

 

Das Potenzial für Innovationen ist groß wie nie. Gleichzeitig befinden wir uns in einer akuten Innovationskrise. Warum das so ist und weshalb die EU möglicherweise einen weiteren heilsamen Schock benötigt.