text URSULA SEIBOLD-BULTMANN foto HELENE BINET

 

Unlängst wurde der finnische Architekt Juhani Pallasmaa in Karlsruhe für sein theoretisches Werk mit dem Schelling-Architekturpreis ausgezeichnet. Von einem phänomenologischen Ansatz ausgehend, fordert der Preisträger eine zu allen Sinnen sprechende Baukunst.

Theorieversessen ist Juhani Pallasmaa als Architekturtheoretiker keineswegs. Für ihn soll die Architektur nicht intellektuellen Vorgaben folgen, sondern den ganzen Menschen in existenzieller Weise berühren und das menschliche Dasein mit ihren Metaphern unterbauen.

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In den 1960er Jahren der finnischen Sektion der Congrès Internationaux d'Architecture Moderne (CIAM) und dem amerikanischen Erfinder Buckminster Fuller verbunden, hing er damals dem Fortschrittsglauben der Moderne durchaus an. Aber dann erreichte ihn der Ruf auf eine Professur in Addis Abeba, und die Erfahrungen in Äthiopien erschütterten seinen Glauben an rationalistische und universalistische Utopien und an einen zwangsläufigen Nutzen neuer Technologien.

Seither macht sich Pallasmaa für eine Architektur stark, welche die Vorstellungskraft und die empathischen Fähigkeiten ihrer Nutzer nähren soll. Da die Architektur uns Orientierung im Raum biete sowie das Erleben von Zeit strukturiere und damit unser Verhältnis zu Welt, Leben und Tod wesentlich forme, komme ihr – so sein Standpunkt – ein moralischer Imperativ zu. Zugleich versteht er das Erkennen und Erleben von Schönheit und damit ästhetische Erfahrungen als Basis für ethische Werte; an dieser Stelle bezieht er sich auf den russisch-amerikanischen Dichter Joseph Brodsky.

 

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