interview BRIGITTE KRAMER foto SIMON MENGES

 

Die Architekten Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga sind Träger des europäischen Mies-van-der-Rohe-Preises 2015. Ausgezeichnet wurde ihre Philharmonie im polnischen Stettin. In der Schweiz arbeiten sie derzeit an drei Projekten in Chur, Lausanne und Zürich.

 

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Veiga: (...)Sagen wir es ganz ehrlich: Die Bauzeit war für uns eine sehr harte Geduldsprobe. An einem anderen Punkt unserer Karriere hätten wir das Ganze wohl abgebrochen.

Wieso haben Sie durchgehalten?

Veiga: Als uns klarwurde, worauf wir uns da eingelassen hatten, motivierten wir uns gegenseitig mit dem Satz: «Wie oft in unseren Leben werden wir noch eine Philharmonie bauen können?»

Wie konnten Sie die Unterschiede überwinden?

Barozzi: Wir nähern uns immer auf dieselbe Weise einem Ort: Erst wollen wir ihn verstehen, dann ein Gefühl für ihn entwickeln und schliesslich all das in unsere Arbeitsweise übersetzen. Wir suchen immer das Spezifische. Stettin forderte von uns Kraft und Ausdruck, dort fehlte alles. (...)

Wie ist es für Sie, in der Schweiz zu bauen, auch im Vergleich mit Polen?

Veiga: (...) Generell kann man aber sagen, wenn man das Bauen in der Schweiz mit jenem in Polen vergleicht, dann ist es in Polen wie Segeln auf offener See ohne Kompass. Man weiss nie, ob man im Hafen ankommt. Bauen in der Schweiz hingegen ist wie Segeln mit GPS. Generell weist man in der Schweiz der Architektur grosse Bedeutung zu. Die Diskussionen sind wichtig, die Beteiligten kompetent und die Bauten makellos. Alles funktioniert auf sehr hohem Niveau.

Fühlen Sie sich in der Schweiz unter Druck?

Veiga: Nicht mehr als anderswo, generell haben spanische Architekten im Ausland einen guten Ruf. Wenn man in der Schweiz etwas verbessern sollte, dann vielleicht die exzessive Standardisierung der Prozesse. Etwas, wofür es kein Protokoll gibt, ist nicht möglich. Manchmal scheint es, Bauen in der Schweiz sei nur noch das Zusammenfügen vorgegebener Elemente. Der Weg ist klar und deutlich, aber davon abkommen darf man nicht. Massgeschneiderte Bauwerke, wie man sie in Portugal oder Spanien noch bauen kann, sind fast unmöglich. Die Stettiner Philharmonie hätten wir in der Schweiz so nicht bauen können. Dazu kommt die Vernachlässigung des öffentlichen Raums. Schweizer Städte sind voll grossartiger Gebäude, die isoliert nebeneinander dastehen. Das wollen wir bei unseren drei Projekten vermeiden.

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