VIENNA DESIGN WEEK Hommage Hermann Czech

 

„Atmosphäre:

Dieser Begriff ist neuerdings in die Architekturtheorie eingetreten. Der Diskurs geht davon aus, dass Atmosphäre bewusst produziert werden soll und kann. (Ist das eine Wiederkehr von Walt Disneys „Imagineering“?)

Hermann Czechs Restauranträume von 1984, im Souterrain von Hildebrandts und (Fischer von) Erlachs Palais Schwarzenberg, reichen in den Zusammenhang von Anmutung, von „Atmosphäre“ (was in der Fachwelt nicht nur Zustimmung hervorrief!).

In der Methodik des Entwurfsprozesses spielte aber diese Absicht keine Rolle. „Atmosphäre“ entstand allenfalls als Ergebnis, in der produktiven Reihe der einzelnen Entwurfsentscheidungen waren Assoziationen jeder Art ebenso tragfähige Grundlagen wie Kriterien der Konstruktion und der Nutzung.

„Atmosphäre“ gehört also der Wahrnehmung danach an. Nach dreißig Jahren kommt die Wirkung der Zeitdistanz dazu; das Alter von Architektur ist ebenfalls nicht im Entwurf produzierbar.

Und jetzt sind die Räume fast ein Jahrzehnt unbenutzt, nicht gewartet und verwahrlost. Alter und Verwahrlosung ergeben eine Atmosphäre der doppelten Zeitdistanz, wenn diese Räume jetzt für einen speziellen Zweck zugänglich sind.

Atmosphäre ist im Wesentlichen nicht produzierbar, sie entsteht unbeabsichtigt und unvorhergesehen.“